„Magersucht ist kein Zuckerschlecken“ // BuchTipp

Was bedeutet es, in einer Welt des Überflusses, des Konsums und der Diäten magersüchtig zu sein? Wenn jemand (scheinbar) freiwillig hungert, ruft das bei den meisten Menschen Unverständnis hervor. Sind die Symptome auch schnell zu erkennen, so bleiben die Ursachen für Essstörungen häufig lange ungewiss, selbst die Betroffenen können sich diese Entwicklung zumeist nicht erklären. Anorexia nervosa, wie die Krankheit im Fachjargon heißt, läßt auch die Experten oft ratlos zurück.
Wie zerstörerisch Magersucht wirkt und wie schwer eine angemessene Therapie ist, offenbart dieses Tagebuch.
Schon nach wenigen Buchseiten ahnt der Leser, einfach mehr essen geht nicht. Denn was Außenstehende sehen, ist nicht das, was Mara sieht. Sie fühlt sich mit 35 Kilo immer noch zu fett. Ist sie magersüchtig geworden, weil sie als Frühgeburt und Zwillingschwester zur Welt kam? Ihr Gewicht lag auch damals unter der Norm. Oder ist es ein traumatisches Erlebnis, das sie von da an wünschen lässt, nicht so hübsch und weiblich zu sein?
Die Ursachensuche spielt bei der Therapie eine untergeordnete Rolle, therapiert wurde Mara in der Psychiatrie und auf verschiedenen medizinischen Intensivstationen: sie wird zwangsernährt und isoliert – ohne langfristigen Erfolg.

Erst als Ärzte und Betreuer sie aufgeben und ihr raten, sich an ein Hospiz zu wenden, gelingt ihr der erste Schritt zurück. Ob sie wirklich geheilt ist, bleibt ungewiss. Nur die Zukunft wird es zeigen – wie bei jedem Suchtverhalten.

Ein wichtiges Buch, das mehr Verständnis für diese Krankheit erzeugt und vielleicht auch zu besseren Interventionsmöglichkeiten führt.

„Magersucht ist kein Zuckerschlecken“
Autorin: MARA SCHWARZ
Eine Autobiografie
ISBN: 978-3-940767-91-2,
Edition Blickpunkt, GLP: 13,90 € (D),
Verlag: Periplaneta

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