Klaus Staeck: Schöne Aussichten

Alle – nicht nur die kulturell Interessierten – kennen Klaus Staeck, der erst Anfang Mai für eine zweite Amtsperiode
als Präsident der Akademie der Künste Berlin wiedergewählt wurde. Jeder hat schon eines seiner Plakate gesehen, hat sich über sie diebisch gefreut oder sich über sie geärgert. In surrealer Verdrehung knapper Schlagzeilen gibt Staeck der Wahrheit noch eine Chance:

„Deutsche Arbeiter! Die SPD will Euch Eure Villen im Tessin wegnehmen.“ (1972), „German Bankers Club“ – Wir machen mit Ihrem Geld, was wir wollen.“ (1997), „Ein Volk, das solche Boxer, Fußballer, Tennisspieler und Rennfahrer hat, kann auf seine Uniwersitäten ruhig verzichten.“ (1997), „Die Bank gewinnt immer – Freundeskreis Casinokapitalismus“ (2009).
Staeck erwischt uns dort, wo wir es nicht unbedingt erwarten: in unser aller Alltag.

Sein künstlerisches Werk ist in Berlin bisher selten und nur in kleinen Projekten gezeigt worden, in der Regel außerhalb eines traditionellen künstlerischen Umfelds. Aber auch nach über dreitausend (!) Ausstellungen in der gesamten Republik ist sein Gesamtwerk erst in den letzten Jahren in größeren Retrospektiven auf seine enorme Vielfalt und Vielgestaltigkeit untersucht worden: Es umfasst neben den allseits präsenten Plakaten ebenso Installationen aus Alltagsgegenständen, ein sehr eindringliches ‚freies’ fotografisches Oeuvre und eine große Anzahl fast völlig unbekannter Collagen. Das alles wird in Fülle und Differenziertheit erstaunlicher Weise erstmals in Berlin zu sehen sein – in der Berlinischen Galerie, die mit ihrer weltweit wohl größten Sammlung zum politisierten Berliner Dadaismus der 20er Jahre, also im Spiegel der Geschichte, das kongeniale geistige und künstlerische Umfeld für die Arbeit von Klaus Staeck bietet.

Dem Grundkonzept der künstlerischen Strategie von Staeck folgend, sich prinzipiell den eingeschliffenen Kommunikationsformen des Kunstbetriebs zu entziehen, findet die Staeck-Retrospektive daher auch nicht nur im Museumssaal statt. Zu ihr gehören neben weitflächiger Plakatierung in der Stadt sechs kleinere Ausstellungen an ganz verschiedenen, auch unerwarteten Orten.

Zur Retrospektive „Klaus Staeck: Schöne Aussichten“ erscheint ein Katalog im Steidl Verlag mit Texten von Matthias Flügge, Uwe Loesch, Uli Mayer-Johanssen, Jörn Merkert, Wolfgang Thierse und Thomas Wagner. (204 Seiten, ca. 300 Abbildungen, 24 € im Museumsshop der Berlinischen Galerie)
29. Mai bis 31. August 2009

Mi–Mo, 10 bis 18 Uhr

Berlinische Galerie

Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur

Alte Jakobstraße 124-128

10969 Berlin-Kreuzberg

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