Arbeitsleid und Depression verschlimmern Rückenschmerz

Berlin, 24. Mai 2012 – Rückenschmerzen haben sich in den letzten Jahrzehnten in den Industriestaaten geradezu epidemisch ausgebreitet. 60 bis 90 Prozent der Bevölkerung leiden zumindest einmal im Leben an einer der Spielarten von Rückenschmerz. Die Gefahr, dass Rückenschmerzen bei inadäquater Behandlung chronisch werden, sei groß, warnten Experten heute auf dem 13. Kongress der „European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology“ (EFORT) in Berlin. Derzeit diskutieren auf diesem
wissenschaftlichen Großereignis rund 7.000 Experten aktuelle Entwicklungen ihres Fachgebiets.

Rückenschmerzen: Unnötige Belastung für Betroffene und Budgets
Rückenschmerzpatienten, die noch arbeitsfähig sind, kommen im Durchschnitt auf 41 Krankenstandstage pro Jahr. Laut „Survey of Chronic Pain in Europe“ verlieren 19 Prozent der Patienten mit moderaten oder starken chronischen Schmerzen ihre Arbeit. Erschreckend ist, dass ein großer Teil dieser Belastungen unnötig wäre, wenn nicht wesentliche Dinge übersehen würden, die über die rein körperliche Komponente hinausgehen. Das zeigt eine aktuelle australische Studie, die heute auf dem EFORT-Kongress vorgestellt wurde. Prof. Dr. Markus Melloh vom Western Australian Institute for Medical Research, University of Western Australia, hat mit seinem Forschungsteam jene Faktoren identifiziert, mit denen sich das Risiko entweder erhöht oder vermindert, dass akute Rückenschmerzen chronisch werden. Untersucht wurden Patienten, die sich wegen ihrer Rückenschmerzen an einen praktischen Arzt wandten.

Jobprobleme verstärken den Schmerz
Sechs Monate nach Behandlungsbeginn zeigte sich eindeutig, dass jene Menschen besonders gefährdet sind, die sich am Arbeitsplatz nicht wohlfühlen und die deshalb eine resignierte Haltung gegenüber ihrem Job einnehmen. „Wie so oft bei Rückenschmerz stehen nicht allein körperliche Ursachen und medizinische Lösungen im Vordergrund. Auch psychosoziale Probleme müssen erkannt und gelöst werden.

Interventionen am Arbeitsplatz
hätten das Potenzial, den Menschen ein chronisches Schmerzgeschehen zu ersparen“, fasste Prof. Melloh zusammen. Denn auch das sei aus der Studie hervorgegangen: „Soziale Unterstützung am Arbeitsplatz kann stark präventiv wirken, um chronische Rückenschmerzen zu verhindern.“ Die Mehrkosten für derartige Interventionen würden sich durch eingesparte Krankenstandstage, Krankenhausaufenthalte und Arzt- und
Medikamentenkosten jedenfalls selbst rechnen.

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