Berührungen sind Sahnehäubchen in einer Beziehung

Berührungenwoman holding hand of man

Das Fantastische an Berührungen ist, man spürt sich und sein Gegenüber. Deshalb umarmen Sie Ihre/n Partner*in ruhig oder kuscheln bei jeder Gelegenheit, auch während Sie Netflix gucken. Denn das stärkt Ihre Beziehung. So zumindest können die Forschungsergebnisse gelesen werden, die eine Studie der Binghamton University, State University of New York, hervorgebracht hat.

Die Psychologin und Doktorandin Samantha Wagner befasst sich in ihrer Arbeit insbesondere mit den Auswirkungen nicht-sexueller intimer Berührungen – wie Umarmen, Händchenhalten oder Kuscheln auf der Couch.

Ihr war es wichtig, die Bindung, die zwischen den Partner*innen existiert, zu untersuchen. Der Bindungsstil bezieht sich auf menschliche soziale Bindungen und existiert auf einem Spektrum. Es gibt Menschen, die mehr zwischenmenschliche Distanz bevorzugen, während ängstliche Menschen mehr Nähe suchen. Dieser Stil entwickelt sich in der Kindheit, kann sich aber im Laufe der Zeit ändern und mit dem betreffenden Partner*innen variieren.

„Alles hängt davon ab, wie offen, eng und sicher man sich bei dieser Person fühlt. Das wird von vielen Faktoren beeinflusst“, sagt Wagner.

Die Forscher konnten 184 Ehepaare als Stichprobe für ihre Studie gewinnen. Sie wurden jeweils getrennt voneinander interviewt. Dazu gehörten Fragen wie zum Beispiel, welches Ausmaß an Berührungen und routinemäßiger Zuneigung sie in ihren Beziehungen erhielten (Beziehungsroutine) und wie zufrieden sie mit ihrer Beziehung waren.

Je mehr routinemäßige Zuneigung die Paare erfuhren, desto zufriedener fühlten sie sich mit den Berührungen ihrer Partner, selbst wenn sie einen vermeidbaren Bindungsstil hatten. Bei einem geringen Maß an körperlicher Zuneigung waren ängstliche Ehemänner weniger zufrieden mit der Berührung, die sie erhielten. Ängstliche Ehefrauen kompensierten das, indem sie fehlende Zuneigung einforderten.

Berührung – ein Sahnehäubchen in einer Beziehung

Männer waren zufriedener mit ihrer Beziehung, je mehr routinemäßige Zuneigung sie erfuhren. Mit anderen Worten: Berührung ist schlicht ein Positivum, das Sahnehäubchen im Ehealltag. Frauen fühlten sich entsprechend unzufrieden, wenn sie wenig routinemäßiger Zuneigung erhielten. Berührung ist eben eine wesentliche Zutat und das Fehlen von Zuneigung wird als negativ erlebt.

Unabhängig von den Bindungsunsicherheiten eines Paares hat die Wahrnehmung, wie oft ein Partner berührt wird, die größte Assoziation mit „Berührungszufriedenheit“. Mit anderen Worten, mehr ist besser!

Berührung hat für Menschen ganz unterschiedliche Bedeutungen, betont Wagner. Jemand mit einer Autismus-Spektrum-Störung kann von der taktilen Sensibilität überwältigt werden, und jemand mit einer Trauma-Historie kann Berührung als abstoßend empfinden.

Die Psychologin ist seit Langem von den heilenden Möglichkeiten der Berührung fasziniert. Im Zuge der fortschreitenden Coronavirus-Pandemie können Menschen von mehr Zuneigung profitieren, um Stress abzubauen – solange die Partner dafür empfänglich sind.

Die Autorin stellt jedoch fest, dass die Coronavirus-Pandemie zu einem Verlust von Berührungen führen kann, da soziale Distanzierung uns körperlich voneinander trennt.

„Ich denke, wir sollten alle unsere Lieben, ein wenig enger an uns binden“, sagte sie. „Wenn irgendetwas für mich wahr ist, dann ist eine Umarmung noch wertvoller geworden, als sie es vorher bereits war“, so die Autorin. – IMK-

Journal Reference:

Samantha A. Wagner, Richard E. Mattson, Joanne Davila, Matthew D. Johnson, Nicole M. Cameron. Touch me just enough: The intersection of adult attachment, intimate touch, and marital satisfaction. Journal of Social and Personal Relationships, 2020; 026540752091079 DOI: 10.1177/0265407520910791

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