BuchTipp // Wer wir sind

Vom Kaiserreich bis zur Nachkriegszeit Deutschlands, das ist der zeitliche Rahmen, in dem sich der Roman „Wer wir sind“ bewegt. Eine unruhige und schlimme Zeit, in der Menschen wieder Fuß fassen wollen, aber nicht wissen wie, weil der Boden unter den Füßen wie schlammiges Wasser ist und keinen sicheren Halt mehr bietet. Doch es gibt auch Hoffnung und Menschen aus verschiedenen Gruppen und sozialen Klassen, Arbeiter, Künstler, Wissenschaftler, Beamte, Pfarrer und Wehrmachtsangehörige, Namen wie Bonhoeffer, Harnack, Dohnanyi, Moltke und Stauffenberg, Schulze-Boysen, Schumacher, die ein gemeinsames Ziel vor Augen haben: gegen das Dritte Reich zu opponieren und zu bewirken, dass es nicht lange existiert.

Jede einzelne Lebensgeschichte zeichnet einen ganz individuellen Weg mit verschiedenen Möglichkeiten und Fähigkeiten nach. Doch alle verbindet der Wunsch, Deutschland zu befreien und Willkür, Denunziation und Terror des Hitler-Regimes zu beenden. Gehören einige Widerständler der kommunistischen Bewegung an, so sind andere aus religiöser Überzeugung motiviert. Noch ahnen sie nicht, dass viele von ihnen für ihre Überzeugung sterben müssen.

Aber auch von der anderen Seite erzählt der Roman, wenn die Ermordung jüdischer Frauen und ihrer Kinder geschildert wird, geschieht das mit so großer Eindringlichkeit und Akribie, dass man es nicht lesen will und es doch muss. „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“. Die Schießkommandos, denen in den Konzentrationslagern Unzählige zum Opfer fallen, haben dieses christliche Gebot vergessen, vielleicht nie gekannt: Sie machen einen blutigen Job, der möglichst effizient erledigt werden will. Wer hier versagt, wird ebenfalls hingerichtet.

Ganz nah lässt uns die Autorin an ihre Figuren herankommen. Wir erfahren, wie sie leben und lieben, wie sie hoffen und überzeugen, wie sie flüchten oder standhalten, wie sie leiden und sterben.

„Wer wir sind“ ist ein ganz wichtiger und berührender Roman, der zeitlose moralische Fragen neu stellt, deren Beantwortung wir uns auch heute nicht entziehen können: Warum jeder eine moralische und soziale Verantwortung hat und den Mut haben sollte, für seine Überzeugung zu kämpfen.

Ein Buch, das man unbedingt lesen sollte!

Wer wir sind
Roman
Autorin: Sabine Friedrich
Originalausgabe
2032 Seiten
ISBN 978-3-423-28003-7
Oktober 2012
Verlag: dtv

Sabine Friedrich, 1958 in Coburg geboren, studierte Germanistik und Anglistik und promovierte 1989 in München. Seit 1996 lebt sie mit ihrer Familie wieder in Coburg. Ihr erster Roman ›Das Puppenhaus‹ wurde 1997 veröffentlicht. Weitere Romane folgten, darunter ›Familiensilber‹ (2005) und ›Immerwahr‹ (2007). Im Jahr 2012 erschienen Sabine Friedrichs umfangreicher Roman über den Deutschen Widerstand: ›Wer wir sind‹ sowie ihr ›Werkstattbericht‹ über die Entstehung dieses Romans

Mehr Informationen und Lesungen mit der Autorin finden Sie unter:
http://www.wer-wir-sind.de/

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