Mona war fünf, als sie zum ersten Mal von ihrem Stiefvater missbraucht wurde. Jahrelang erduldete sie das Martyrium, ohne mit jemandem darüber reden zu können.
Heute, mit über 40 Jahren, schreibt sie einen Brief an ihre Mutter, die all die Jahre wegschaute und sie nicht vor den Übergriffen des Stiefvaters schützte. Endlich erzählt sie ihr all das, was sie damals nicht sagen durfte. Und befreit sich damit selbst Wort für Wort von ihrer Vergangenheit. Schonungslos offen berichtet Mona von dem unentrinnbaren Teufelskreis aus Leiden, Angst und Scham.
Sie spricht für alle missbrauchten Kinder, die doppelt zu Opfern gemacht wurden – von denen, die sie misshandelt haben, und von denen, die wegschauten.
Das Thema
Kindesmissbrauch findet meist im familiären Umfeld statt. Viele Fälle kommen nie ans Licht, weil die Opfer sich schämen, Angst vor der Rache ihrer Peiniger haben oder so resigniert sind, dass sie den Glauben an Hilfe verloren haben.
Während heute Kindesmissbrauch kein völliges Tabuthema mehr ist, wurde es noch vor vierzig Jahren totgeschwiegen. Missbrauchte Kinder bekamen selten seelische Unterstützung, wurden im schlimmsten Fall sogar als Lügner hingestellt, wenn sie sich jemandem anvertrauten. In diesem Deutschland von vor vierzig Jahren beginnt die Geschichte des Flüsterkinds.
Das Buch
Als sie fünf ist, wird Mona zum ersten Mal von ihrem Stiefvater missbraucht. Jahrelang fügt sie sich seinen Drohungen und erduldet ihr Martyrium in dem Glauben, dass ihr niemand helfen kann. Als sie es nicht mehr aushält, erzählt sie ihrer Mutter von den Dingen, die niemand wissen darf. Die jedoch schenkt ihr kein Gehör und verurteilt sie damit zu einem unentrinnbaren Kreislauf aus Leiden, Angst und Scham. Hilflos muss Mona mitanschauen, wie sich der brutale Stiefvater auch noch an ihrer kleinen Schwester vergeht.
Erst dreißig Jahre später schreibt Mona einen Brief an ihre Mutter. Die wegschaute, die nichts wissen wollte, die den Missbrauch duldete. Endlich erzählt Mona ihr all das, was sie damals nicht sagen durfte. Mit beklemmender Eindringlichkeit konfrontiert sie ihre Mutter mit der schrecklichen Wahrheit. Doch mehr als um die Mutter geht es um Mona selbst: Wort für Wort befreit sie sich von ihrer Vergangenheit.
Flüsterkind ist der ehrliche, schonungslose Bericht einer Betroffenen, der zeigt, dass es mehr als einen Schuldigen gibt, wenn es um Kindesmissbrauch geht: den Täter und diejenigen, die wegschauen und ihn gewähren lassen.
Das Zitat
»Irma … es widerstrebt mir, Dich Irma zu nennen. Es widerstrebt mir aber noch mehr, Dich Mama zu nennen. Irgendeine Anrede muss ich aber benutzen, sonst fühlst Du Dich am Ende gar nicht angesprochen.
Ich weiß, Du wunderst Dich, nach so vielen Jahren von mir zu hören. Egal, wie viel Zeit inzwischen vergangen ist, ich kann mir ganz genau vorstellen, was für ein Gesicht Du jetzt machst: ›Hmm … was will die denn von mir?‹
Ich sag’s Dir, Irma, endlich aufräumen will ich. Mit meiner Vergangenheit.
Therapien haben nichts gebracht, Verdrängung funktioniert nur zeitweise. Es ist völlig gleichgültig, wie alt ich werde, es wird immer Momente geben, in denen ich mich plötzlich in meiner Kindheit wiederfinde. ES wird mich mein ganzes Leben lang begleiten.
Ich werde es nie vergessen. Und ich werde es nie verzeihen. Wie könnte ich auch vergessen, was er mir angetan hat? Wie könnte ich auch verzeihen, dass Du es ihm erlaubt hast?Sexueller Kindesmissbrauch, Irma. Lass Dir das auf der Zunge zergehen.«
Mona Michaelsen
Die Autorin
Mona Michaelsen wurde 1964 in Niedersachsen geboren und wuchs dort in ländlicher Umgebung auf. Sie heiratete und bekam zwei Söhne, die inzwischen erwachsen sind. Nach der Scheidung lernte sie ihren jetzigen Mann kennen, mit dem sie heute in einer Kleinstadt in Schleswig-Holstein lebt. Sie ist ausgebildete Seminarleiterin und Pädagogin für Entspannungsverfahren.
* Mona Michaelsen
* FLÜSTERKIND
* Dein Mann hat mich missbraucht
* Ein Brief an meine Mutter
* Ca. 288 Seiten, Taschenbuch
* ISBN 978-3-89602-951-5
* 9,90 EUR (D)
Verlag: Schwarzkopf&Schwarzkopf












