Gnade

1682 – vier Frauen auf Jacob Vaarks Farm, Rebekka die Ehefrau, Florens, das Sklavenmädchen, Sorrow das Findelkind, Lina, die junge Indianerin:sie wurden vergewaltigt, verkauft, versklavt, verpachtet und verheiratet. Jede hat ihre eigene schreckliche Geschichte; erst auf der Farm wird das Leben für sie erträglicher. Lina ist die erste Frau, die den Farmer bei der harten Arbeit, das Land fruchtbar zu machen, unterstützt. Sie ist der Natur verbunden, kennt und fürchtet sie und weiß, wie sie behandelt werden muss, damit sie Früchte trägt.

Vaark ist kein guter Farmer und seit der Heirat mit Rebekka, die aus England in die unbekannte Fremde kommt, muss er Niederschläge einstecken und entscheidet sich, noch zusätzlich durch Handel mit Rohrzucker ein besseres Auskommen zu erreichen. Anders als die Frauen, die durch die Arbeit ein Wir-Gefühl entwickeln und sich persönlich weiter entwickeln, wirkt Vaark wie angesteckt vom Reichtum eines Schuldners, der seine Schulden mit dem Sklavenkind Florens bezahlt. Besessen arbeitet er an einem neuen Haus, zu dessen Gestaltung er auch einen Schmied verpflichtet. Doch Vaark wird nie als Hausherr in sein Haus einziehen….

Toni Morrison erschafft mit ihren metaphorischen Figuren eine Welt, in der Frauen, seien sie nun schwarz, gelb oder weiß, ihr Leben nicht selbst bestimmen können. Doch aufgrund einer ihnen innewohnenden Stärke überlassen sie es anderen jedoch auch nicht kampflos. Dabei gibt es bei ihr kein simples “schwaz-weiß – Denken”, sondern immer Menschen, die auch menschlich handeln:”Es war kein Wunder.Gewirkt von Gott. Es war Gnade. Erwiesen von einem Menschen.”

morrisonAutorin: Toni Morrison
Roman
rowohlt
Hardcover, 224 S.
12.03.2010
18,95 €
978-3-498-04512-8

Toni Morrison

wurde am 18.2.1931 in Lorain, Ohio, USA, als zweites von vier Kindern eines schwarzen Arbeiterehepaares geboren. Nach dem Besuch örtlicher Schulen 1949 Beginn des Studiums an der Howard University in Washington, DC. Erste Erfahrungen mit dem Südstaaten-Rassismus während einer Tournee als Mitglied der Universitätstheatergruppe. Ab 1953 Anglistikstudium an der renommierten Cornell University bis zum Magisterabschluss 1955. Lehrtätigkeit, zunächst an der Texas Southern University (1955-1957), danach an der Howard University (1957-1964). Ehe mit dem jamaikanischen Architekten Harold Morrison, aus der zwei Söhne hervorgehen. Nach der Scheidung 1964 Rückkehr nach Lorain. 1965 Umzug nach New York und Lektorentätigkeit beim Verlag Random House. Schrieb Geschichten, aus denen sie schließlich ihren ersten Roman entwickelte. 1970 Debüt als Romanautorin.Zu ihren bedeutendsten Werken zählen u. a “Sehr blaue Augen”, “Solomons Lied” “Menschenkind”, “Jazz”, “Paradies” und die Essaysammlung “Im Dunkeln spielen” über die Antinomien von weißer und schwarzer Kultur. Sie zählt seit langem zur Garde der bedeutendsten Autoren Amerikas. 1980 Mitglied des National Council on the Arts. 1981 in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen. Seit 1989 Professorin für afroamerikanische Literatur an der Princeton University, NJ. Auszeichnungen: National Book Critics’ Circle Award (1978); American-Academy-and-Institute-of-Arts-and-Letters Award für Erzählliteratur (1980); Cleveland Arts Award für Literatur (1980); Robert F. Kennedy Book Award (1988); Melcher Book Award (1988); Unitarian Universalist Award (1988); Nobelpreis für Literatur (1993); Commandeur des Arts et des Lettres, Frankreich (1993).

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