Warum schreibt man Erinnerungen aus seinem Leben auf? Auch Inge Jens stellte sich beim Verfassen des Buches häufig diese Frage und hat glücklicherweise damit fort gefahren, so dass der Leser in den Genuss kommt, ihre Erinnerungen jetzt lesen zu können.
Denn dieses Buch bietet so viel interessante, unaufgeregt und klar erzählte Geschichte(n) eines
Frauenlebens, das 1927 begonnen hat. In jungen Jahren Diktatur und Krieg zu erleben, hat sie psychisch nur unbeschadet überstehen können, weil die Familie ihr Liebe, Geborgenheit und Sicherheit gab.
Durchsetzungsvermögen und Geduld sind erforderlich, um nach dem Krieg eine Studienerlaubnis zu bekommen. Es gelingt, obwohl es nicht das ursprünglich angestrebte Medizinstudium wird. Stattdessen studiert sie Pädagogik und Literaturwissenschaften und lernt an ihrem Studienort Tübingen ihren späteren Ehemann Walter Jens kennen. Sie promoviert in Tübingen und arbeitet zunächst als Redakteurin.
Ehe und Familie bedeuten ihr sehr viel und sie wünscht sich vier Kinder. Ein Wunsch, der sich nicht erfüllt, Inge Jens erleidet zwei Fehlgeburten.
Ihr Mann wird schnell zu einer berühmten Persönlichkeit. Auch sie profitiert davon, wie sie schreibt, und doch wird sie selbst zu einer Berühmtheit, als sie “in die Welt der Manns” editierend einsteigt, die sie nahezu lebenslang
begleitet. Gemeinsam mit Ihrem Mann verfasste sie den Bestseller „Frau Thomas Mann”.
Im letzten Abschnitt des Buches widmet sie sich sehr ausführlich und offen der schweren Demenzerkrankung ihres Mannes. Den geliebten Mann und diskussionsfreudigen Geprächspartner immer mehr verschwinden zu sehen, stellt sie zunehmend vor emotionalen Herausforderungen.
Ein überaus lesenswertes Buch, das zudem mehr über ein emanzipiertes Frauenleben offenbart, als ein 10-jähriges Abo einschlägiger Frauenmagazine es je könnte. -IMK-
Inge Jens
Unvollstänige Erinnerungen
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2009, 320 Seiten, 19, 90 €.











