Das wilde Netzwerk. Ein ethnologischer Blick auf Facebook

431 Millionen Bundesbürger haben ein persönliches Online-Profil, das sind 80 Prozent der Internetnutzer. Die meisten Onliner (72 Prozent) veröffentlichen ihre persönlichen Angaben, Fotos oder Interessen in einem sozialen Netzwerk. Offensichtlich sind Facebook, Twitter und Co. also sehr beliebt. Über die Wirkung dieses „wilden Netzwerks“ hört man unwahrscheinliche Geschichten. Kann man diesem Netzwerk aber auch solche Dinge wie Scheidung oder Vereinsamung zur Last legen oder gilt genau das Gegenteil, nämlich nie endende Freundesanfragen und ein wirklich tragendes Netzwerk?
Der Autor Daniel Miller ist Ethnologe, und Ethnologie eine Wissenschaft, die häufig romantisiert wird, denn Gegenstand ethnologischer Forschung sind soziale Enklaven oder Naturvölker, die uns wie Relikte aus paradiesischen Zeiten und Orten erscheinen. Doch Ethnologen beschäftigen sich mit menschlichen Gemeinschaften, die jetzt leben, und auch mit technischen Errungenschaften der modernen Welt. Gemeinschaften aber leben von der Interaktion und Kommunikation der Mitglieder, die zumeist „face to face“, also unmittelbar miteinander interagieren.
Wie stellen sich dann diese elektronischen Gemeinschaften dar, wie entstehen und erhalten sie sich? Sieben Porträts hat der Autor auf Trinidad zusammengetragen und analysiert. Dort wird Facebook sehr oft benutzt und sinnigerweise „Fasbook“ genannt (Fas bedeutet soviel wie „seine Nase zu tief in die Angelegenheiten anderer stecken“).
Die Motive und Gründe für die Nutzung sind weit gestreut: Daniel Miller spricht mit Nutzern, die ihre gesamte Unternehmensstrategie auf diese Plattform ausgerichtet haben. Andere wiederum entfliehen der allzu großen Nähe und Enge der dörflichen Gemeinschaft, halten aber über Facebook den weiteren Kontakt mit Freunden. Ältere, kranke Menschen gewinnen durch Facebook neuen Lebensmut und Freunde; ein anderer Nutzer jedoch beendet seine Ehe online, weil die Eifersucht durch ständige Freundschaftsanfragen auf Facebook immer neue Nahrung erhielt.

Eine Analyse, die Laien und Experten gleichermaßen interessieren und bisherige Nicht-User zu einem sinnvollen Umgang mit diesem Medium führen wird. – Ingrid Mosblech-Kaltwasser –

D: 15,00 €
A: 15,50 €
CH: 21,90 sFr
Erschienen: 23.01.2012
Broschur, 218 Seiten
ISBN: 978-3-518-26042-5
Verlag: Suhrkamp
Edition Unseld

Die zitierten Zahlen stammen aus einer BITKOM-Erhebung

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