Elterlicher Stress hinterlässt Spuren in den kindlichen Genen

Wissenschaftler an der University of British Columbia haben gemeinsam mit dem Institut „Child & Family Research“ untersucht, wie sich Stress der Eltern während der ersten Kindheitsjahre auswirkt. Demnach hat Stress die Fähigkeit, die Gene der Kinder zu verändern. Die Studie, die im Journal „Child Development“ veröffentlicht ist, hatte den Fokus auf die epigenetische Veränderung gelegt, einen biochemischen Schaltvorgang, der durch Methylgruppen reguliert wird. Diese sind verantwortlich dafür, ob ein Gen aktiviert oder ausgeschaltet wird.
Michael S. Kobor, Professor für Genetik und Medizin an der UBC, überprüfte 1000 Methylierungs-Muster der DNA von Jochbeinzellen bei 100 Probanden. Die Muster wurden mit Daten verglichen, die die Universität von Wisconsin zwischen 1990 und 1991 erhoben hatten, als die Probanden noch im Kindesalter waren. Damals wurden auch die Eltern befragt, ob sie zu dieser Zeit über Stress, Depressionen, familiären Ärger, Sorgen und finanzielle Schwierigkeiten klagen mussten.

Wirkung des Stresses unterschiedlich
Das Wissenschaftlerteam fand heraus, dass ein hoher Stresslevel der Mutter in der frühen Kindheitsphase ihres Kindes mit einem hohen Mythilierungslevel einhergeht. Es waren erkennbare epigenetische Veränderungen feststellbar. Aber auch Stress des Vaters wirkt sich aus, wobei die Wissenschaftler Verschiedenheiten zwischen mütterlichem und väterlichem Stress und deren Effekte auf die Kinder feststellen konnten: Während mütterlicher Stress Auswirkungen auf beide – Jungen und Mädchen – hatte, so wiesen Töchter bei väterlichem Stress einen höheren Grad der epigenetischen Veränderung auf.

Die ersten Kindheitsjahre entscheidend
Keine der Gene, deren Methylisierungsgrad in der Studie untersucht wurden und die in einem Zusammenhang mit dem elterlichen Stress standen, waren für das Verhalten eines Menschen von Bedeutung. Aber die Wissenschaftler fanden einige Gene, die eine konsistente Veränderung im Methylisierungsgrad an mehr als einer Seite der DNA aufwiesen und auch bei der Produktion von Insulin beteiligt sind, sowie drei weitere Gene, die bei der Entwicklung des Gehirns möglicherweise eine Rolle spielen. Wesentlich ist vor allem die Erkenntnis, dass mütterlicher Stress in der frühen Kindheit Bedeutung hat, nicht aber im Vorschulalter. Die Ergebnisse zeigen, was Experten schon lange wissen – die ersten drei Jahre sind eine kritsche Periode im Leben eines Menschen. Sie stellen ein wesentliches Stadium dar, das für das weitere Leben eines Menschen Bedeutung hat, so Thomas Boyce, Professor an UBC’s Human Early Learning Partnership und Wissenschaftler am Institut für Kind- und Familienforschung ( CFRI). -IMK-
Quelle: www.newswise.com
Foto: piqs.de

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