Erziehungsalltag – was schimpfen bei Kindern bewirken kann

Nur die wenigsten Eltern würden ihre Kinder schlagen, um sie zu bestrafen oder zu disziplinieren. Zudem  ist dies ein Straftatbestand. Im Jahr 2000 hat der Gesetzgeber mit dem Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung diesem Verhalten einen Riegel vorgeschoben. Seitdem heißt es in § 1631 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.*

Doch wenn Mama oder Papa gerade total gestresst sind und die Kids auf ihren Nerven herumtrampeln, was dann? Viele Eltern schlagen zwar nicht, aber schimpfen oder schreien stattdessen. In den meisten Fällen nutzt das wenig. Schimpfen ist die falsche Entscheidung. Denn schreiende Eltern strahlen selten Souveränität aus. Sie wirken unbeherrscht und unsicher.
Damit ist allerdings nicht das impulsive Schreien gemeint, dass Eltern ausstoßen, wenn ihr Kind in Gefahr ist.

Eine Studie im Fachblatt „The Journal of Child Development“  aus dem Jahr 2014 konnte zudem zeigen, ständiges Schimpfen und Anschreien wirkt bei Kindern ähnlich wie körperliche Bestrafung: Die Kinder werden ängstlicher, leiden unter Stress und Depressionen, entwickeln Verhaltensstörungen und ein geringeres Selbstbewusstsein.

Die meisten Eltern finden es schwierig, ohne zu schimpfen durch den Erziehungsalltag zu kommen. Irgendwo liegt immer etwas herum, was die Kids längst wegräumen sollten. Stattdessen sitzen sie vor dem Fernseher oder spielen ihre Lieblingsgames. Kinder befinden sich selten im selben Modus wie ihre Eltern. Sie leben ihren eigenen Rhythmus und oft in ihrer eigenen Welt, die sich nur in kleinen Schnittmengen mit denen der Eltern überschneidet.

Was können Eltern tun?

Das alte gute Vorbildverhalten, ja, da ist es wieder, und wir kennen es nur zu genau. Gestern noch hat Papa seine Schuhe mit einem eleganten Kick in die Dielenecke befördert, und als genau dies der kleine Marcus am nächsten Tag macht, wird er ausgeschimpft. Pech gehabt, die lieben Kleinen sind zwar oft in ihrer Welt gefangen, aber beobachten sehr genau. Denn das Beobachten ist ein wichtiges Lernverhalten. Es ist uns angeboren und verliert lange nicht an Bedeutung.

Belohnungen als aufbauende Methode

Eigentlich hätte Marcus eine Belohnung verdient, denn er hat ja in seinen Augen alles richtig gemacht. Stellt der Vater sein Verhalten klar und zeigt ihm, wie auch er es in Zukunft richtig machen will und Marcus befolgt das, dann ist eine fette Belohnung fällig. Nun bitte keinen Schrecken bekommen. Die Eltern müssen nicht regelmäßig die Geldbörse zücken, hier geht es um eine emotionale Belohnung.

Denn das sich die Eltern über das richtige Verhalten des Kindes freuen, sollten sie unbedingt zeigen. Nicht nur, indem sie es aussprechen, sondern lächeln, ein „high five“ geben oder ein anderes, in der Familie existierendes Zeichen für Freude und Anerkennung zeigen. Das Kind sollte dabei leicht berührt werden.

Wir haben eine Beziehung zu unseren Kindern, wir wollen sie auf eine gute Weise haben. Wenn wir ehrlich zu unseren Kindern sind und eigene Fehler einräumen, lernen sie von uns und zumeist nur Gutes. Bestrafungen sind nicht nötig.

Dies ist ein einfaches Beispiel und soll lediglich demonstrieren, dass das elterliche Verhalten das des Kindes beeinflusst. Die Selbstwahrnehmung der Eltern kann ein wichtiges Hilfsmittel sein, um das kindliche Verhalten zu verstehen.

Das Buch der Pädagogin Katharina Saalfrank „Kindheit ohne Strafen“ – Neue wertschätzende Wege für Eltern, die es anders machen wollen, bringt wertvolle Einsichten und Tipps, um dieses Vorhaben gelingen zu lassen.IMK

* Familienrecht

Photo by Juliane Liebermann

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