EU-Grenzwerte – warum werden sie gerade jetzt hinterfragt?

EU-Grenzwerte

„Wir sollten alle besorgt sein um die Qualität der Luft, die Europäerinnen und Europäer einatmen. Der Schutz der Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger ist daher für uns sehr wichtig, auch im Rahmen unserer EU-Gesetzgebung zur Luftqualität. Die geltenden EU-Grenzwerte, die von allen Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament verabschiedet wurden, basieren auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der weltweit führenden Autorität in Gesundheitsfragen.

Diese Erkenntnisse werden von unzählbaren wissenschaftlichen Studien gestützt, die – wenn ich dies betonen darf – einer wissenschaftlichen Überprüfung unterzogen wurden. Tatsache ist, dass wir leider die Folgen im Lebensalltag hunderttausender Menschen beobachten können, jung und alt, in Städten überall in Europa, die mit den Gesundheitsfolgen schlechter Luftqualität zu kämpfen haben. Daher müssen wir dringend die Massnahmen zur Verbesserung der Luftqualität beschleunigen, um so die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger zu schützen.“ erklärt Karmenu Vella, EU-Kommissar für Umwelt, maritime Angelegenheiten und Fischerei.

Umso unverständlicher, dass sich nun 100 Lungenärzte mit ihrer Unterschrift nicht um die Gesundheit der Bürgerinnen besorgt zeigen. Sind sie es erst, wenn der EU-Grenzwert höher läge? Obwohl andere Studien zeigen, dass auch unterhalb dieses Grenzwertes für Feinstaub und Stickoxide sich Auswirkungen auf die Gesundheit ergeben.

„Auch unterhalb der heutigen EU-Grenzwerte für Feinstaub können wir Auswirkungen auf die Gesundheit sehen“, erklärt Prof. Ursula Krämer vom IUF. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt derzeit einen Jahresmittelwert von 10 µg/m3 PM2.5. „Die Studie bekräftigt die Empfehlungen der WHO, dass wir niedrigere Grenzwerte benötigen“, sagt Professor Barbara Hoffmann, ebenfalls vom IUF. „Ein Grenzwert ist immer nur ein Kompromiss. Egal auf welchem Niveau sich die Feinstaubkonzentration befindet – eine Absenkung lohnt sich aus gesundheitlicher Sicht immer.“

Die Skepsis der Lungenfachärzte gegen die wissenschaftlichen Studien müssten sich, wären sie berechtigt, auch gegen andere richten, die Risiken benennen, vor denen Wissenschaftler und Mediziner die Menschen warnen. Keine Studie kann einen kausalen Zusammenhang zwischen Zigarrettenrauchen und Krebs bei einer einzelnenen Person herstellen – es ist immer ein statistischer Zusammenhang. Und doch weißt die Medizin auf die Risiken hin, dass Rauchen in vielen Fällen zu einer Krebserkrankung führt.

Hier werden die EU- Grenzwerte zum Anlass genommen, um zu emotionalisieren. Es ist davon auszugehen, dass die Lungenfachärzte, die die Liste unterschrieben haben, eine politische und keine medizinisch motivierte Meinung bekundet haben. Deswegen sollte man bei der Bewertung achtsam sein.

Viele Besitzer*innen von Dieselfahrzeugen fragen sich immer noch, warum ihre Fahrzeuge nicht wie in den USA mit den vorhandenen Katalysatoren ausgerüstet wurde. Und warum die deutsche Autoindustrie sich weigert, die Nachrüstungen zu übernehmen. Niemand will die Autoindustrie abschaffen. Doch sie hat im Dieselskandal die Käufer*innen getäuscht und muss dafür die volle Verantwortung übernehmen. Foto: Yuan Thirdy

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