Genf — Trotz beträchtlicher Fortschritte in den letzten Jahrzehnten geht die Gesundheitsvorsorge weltweit häufig an den Bedürfnissen von Frauen und Mädchen vorbei. Dies betrifft insbesondere heranwachsende und ältere Frauen, so ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation.
Demnach leben Frauen zwar länger, doch sind HIV, Schwangerschafts-bezogene Erkrankungen und Tuberkulose weiterhin weltweit die häufigsten Verursacher tödlicher Erkrankungen bei Frauen im Alter zwischen 15 und 45. Herzinfarkt und Schlaganfall werden oftmals als typisch männliche Probleme bezeichnet, doch oft zeigen Frauen hier andere Symptome als Männer, deshalb werden bei ihnen weniger Diagnosen von Herzerkrankungen gestellt. Mit tödlichen Folgen, denn neben Schlaganfällen sind Herzerkrankungen die häufigsten tödlichen Erkrankungen bei Frauen. Ebenfalls tendieren Frauen dazu, erst später an Herzerkrankungen zu leiden als Männer.
Da sie in der Regel länger leben, machen Frauen auch einen wachsenden Anteil der älteren Bevölkerung aus. Gesellschaften müssen sich auf diese Herausforderung vorbereiten, um die gesundheitlichen Probleme und Kosten des Alters bewältigen zu können und um sich den großen sozialen Veränderungen bei der Organisation der Arbeit, Familie und der sozialen Versorgung stellen zu können.
Trotz einiger biologischer Vorteile, leiden Frauen unter ihrem niedrigen sozio-ökonomischen Status.
Der eingeschränkte Zugang zu Bildung und beruflichen Führungspositionen begrenzen die Fähigkeiten von Frauen, ihre und die Gesundheit ihrer Familie zu schützen. Bedingt durch kulturelle und sozio-ökonomische Unterschiede zwischen den Ländern und Regionen in Bezug auf die Frauengesundheit existieren für Frauen und Mädchen ähnliche Herausforderungen, insbesondere Diskriminierung, Gewalt und Armut. Dies erhöht ihr Risiko für eine schlechte Gesundheit.
Durch biologische und kulturelle Unterschiede sind die Risiken für Frauen im Bereich HIV/AIDS größer als bei Männern, das Wissen über HIV gering und damit die Fähigkeit begrenzt, Safer Sex auszuhandeln. “Wir werden keine signifikanten Fortschritte erkennen können, solange Frauen als Bürger zweiter Klasse in so vielen Teilen der Welt angesehen werden”, so Dr. Chan. “In vielen Gesellschaften üben Männer die politische, soziale und ökonomische Kontrolle aus. Der Gesundheitssektor ist davon ebenfalls betroffen. Diese ungleichen Machtverhältnisse führen zu Ungleichheiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung und bei der Kontrolle der Gesundheitsressourcen”, fügt sie hinzu. Veränderungen der Politik und Aktionen sind im und jenseits des Gesundheitsbereichs dringend notwendig.
Der Bericht versucht, Schlüsselbereiche für notwendige Reformen im und ausserhalb des Gesundheitsbereichs zu identifizieren. Diese umfassen die Definition von Mechanismen für den Aufbau einer starken Führung unter umfassender Mitwirkung von Frauenorganisationen, die Stärkung von Gesundheitssystemen, um den Bedürfnissen von Frauen besser zu entsprechen, die Herbeiführung von Veränderungen in der öffentlichen Politik, um deutlich zu machen, wie soziale und ökonomische Bestimmungsfaktoren der Gesundheit sich negativ auf Frauen auswirken, und den Aufbau von Datenbanken, um Fortschritte besser verfolgen zu können. -IMK-
Quelle: WHO
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