Heil- und Klimawälder in Mecklenburg-Vorpommern genießen

Wälder sind wichtig für uns Menschen, weil sie das Klima günstige beeinflussen und Entspannung und Erholung bieten. Schließlich wurden Ende Juni 2011 fünf deutsche Waldgebiete zum Welterbe der Menschheit erhoben. Was die UNESCO damals würdigte, gibt es gleich zweimal in Mecklenburg-Vorpommern: Buchenwälder von universellem Wert, „die als Ökosysteme das Erscheinungsbild eines ganzen Kontinents in einzigartiger Weise geprägt haben.“

Welterbe: Buchenwälder auf Rügen und an der Müritz

Buchenwald

Herbstlicher Buchenwald bei Serrahn Foto: TMV/Roman Vitt)

Im Nationalpark Jasmund auf der Insel Rügen etwa fasziniert die grandiose Kulisse des Buchenwalds, der sich von den weißen Kliffhängen der Kreideküste spektakulär ins blaugrüne Meer hinabzustürzen scheint. Dass die Buchen hier nicht nur überlebten, sondern auch prächtig gediehen und richtig alt wurden, ist dem Standort zu verdanken – der unzugänglichen Lage wegen wurde der Jasmunder Buchenwald nie forstwirtschaftlich genutzt. Und so wachsen hier unter hohen Buchenwipfeln vollkommen ungestört Riesenschachtelhalm und Zwiebelzahnwurz, blühen seltene Orchideen wie der Frauenschuh, brüten Wanderfalken und Seeadler, siedeln Mehlschwalben in großen Kolonien an den Hängen des Kreidekliffs.

Auch der Buchenwald von Serrahn im Müritz-Nationalpark ist ein typischer Tiefland-Buchenwald, wie es ihn nur noch im Nordosten Deutschlands gibt. Eine von der Eiszeit hügelig geformte Waldlandschaft mit hunderten Seen, Mooren und Wiesen, in der sich ebenfalls viele seltene Tier- und Pflanzenspezies ausgesprochen wohl fühlen. Im wasserreichen Biotop leben Kraniche und Rohrdommeln, brüten See- und Fischadler. In alten Baumriesen und abgestorbenen Totholzstämmen wohnen Rote-Liste-Sorgenkinder wie die Mopsfledermaus, Käfer-Notfälle wie der Eremit, Schmarotzer-Pilze wie der Buchen-Schleimrübling und zahllose andere Insekten, Pilze, Flechten und Moose.

Ähnlich wie auf Rügen gibt es auch in Serrahn schon seit langer Zeit keine intensive forstwirtschaftliche Nutzung mehr. Schuld – aus heutiger Sicht ein enormer Segen – war die Jagdleidenschaft der Großherzöge von Mecklenburg-Strelitz, die dieses Revier sogar umzäunten, um es vor Jagdfrevel und Holzdiebstahl zu schützen. Bereits 1952 wurden die Wälder zum Naturschutzgebiet erklärt und 1990 schließlich in den neuen Müritz-Nationalpark integriert. Wo die alten Stämme erahnen lassen, wie die einstigen Urwälder in ganz Deutschland einmal ausgesehen haben.

Aber auch an anderen Standorten im Land dominieren Buchen, die übrigens mit allerlei raffinierten Tricks dafür sorgen, dass Kiefern, Birken und Eichen neben und unter ihnen keine Überlebenschance haben. Die Heiligen Hallen etwa in der Mecklenburgischen Seenplatte bei Feldberg sind ein 360 Jahre alter Buchenwald, der unter Naturliebhabern und Wissenschaftlern Kultstatus genießt. Ein weiteres Buchen-Kleinod ist der Gespensterwald Nienhagen westlich von Rostock, ein bizarrer Küstenwaldstreifen, dessen von Wind und Wetter verdrehte Stämme und Kronen in der Tat einigermaßen geisterhaft wirken. Und auch die Granitz gehört in diese Liste. Ein Naturschutzgebiet mit herrlich-urigem Buchenwald als grüner Fassung für die Krone von Rügen: das berühmte Jagdschloss Granitz.

Eichen

Ivenacker Eichen im Dunst Foto: Thomas Grundner

Weltklasse: Die Eichen von Ivenack

Sagenhafte 1000 Jahre! Die Eichen von Ivenack bei Stavenhagen keimen, als slawische Siedler ihr Weidevieh in die Wälder treiben. Sie strotzen bereits vor Kraft, als die Zisterzienser-Nonnen des Klosters ab 1252 dasselbe tun. Zur Reformation haben sie schon stattliche 500 Jahresringe auf dem knorrigen Zähler. Und heute, noch einmal 500 Jahre danach, ragt das mächtigste der sechs erhaltenen XXL-Exemplare wie eine gigantische Säule gen Himmel – mit einem Volumen von 180 Kubikmetern Holz das älteste und stärkste Lebewesen in Deutschland.

Ivenack heute – das ist ein einzigartiger Tiergarten, in dem die erwähnte mittelalterliche Landnutzungsform des Hudewaldes (Hütewald) weiterhin gepflegt wird. Auch wenn hier statt Weidevieh seit langem Damwild zugange ist, bleiben so die natürlichen Bedingungen erhalten, unter denen die Eichen steinalt geworden sind. Verzichtet wird außerdem konsequent auf künstliche Stabilisierungsmaßnahmen und Schönheitsoperationen, einfache Barrieren um die Eichen schützen die empfindlichen Wurzelbereiche. Und so sind und bleiben die Ivenacker Eichen eine kultur- und naturhistorische Besonderheit, die ihresgleichen in Deutschland sucht.

Zwischen den Wipfeln: Baumkronenpfade auf Rügen und in der Seenplatte

Seit August 2017 können Besucher den tausendjährigen Bäumen übrigens auf Augenhöhe begegnen – auf einem Baumkronenpfad in 20 Meter Höhe. Dessen Höhepunkt ist eine 40 Meter hohe Aussichtsplattform, die per Aufzug erreichbar ist. Der behindertengerecht angelegte Wanderweg durch alle Wachstumszonen der Bäume hat eine Gesamtlänge von 620 Metern und ermöglicht einen perfekten Rundumblick in die Landschaften der Mecklenburgischen Schweiz sowie der Seenplatte.

Einen zweiten Himmelsstürmer ähnlichen Kalibers finden Rügen-Besucher im Naturerbe Zentrum Rügen in Prora bei Binz. Dort wandelt man fünfzehn Meter über dem Erdboden auf der Kronenebene urwüchsiger Buchen. Auf einem über einen Kilometer langen hölzernen Weg, der sich irgendwann plötzlich architektonisch raffiniert in Kreisen um eine Buche herum zu einem 40 Meter hohen Aussichtspunkt schraubt. Dieser wurde einem Adlerhorst nachempfunden und lässt in puncto Ostsee- und Bodden-Panorama keinerlei Wünsche offen.

Die Heilkraft des Waldes: Heringsdorf und Bad Doberan

Wald hat aber noch aus anderen Gründen einen ausgezeichneten Ruf. Umso mehr, wenn er so gesund ist wie in Mecklenburg-Vorpommern, das diesbezüglich mit Brandenburg an der deutschen Spitze steht. Dass gesunder Wald darüber hinaus auch gesund macht, davon sind immer mehr Menschen fest überzeugt. Wald bietet nicht nur Arbeit und Erholung, er ist auch Apotheke und Fitnessstudio. Sein hohes natürliches Potenzial kann perfekt für die gesundheitliche Vorsorge genutzt werden. Seine Atmosphäre – die Stille, das gedämpfte Licht, die frische Luft, die Anwesenheit von Wasser – lassen uns zur Ruhe kommen. Wir erholen uns, wir schlafen besser, der Stresslevel sinkt. Kurzum: Wald entschleunigt und vitalisiert.

Wie das in der Praxis funktioniert, kann seit diesem Jahr jeder selbst testen – auf der Wellness- und Gesundheitsinsel Usedom. Dort eröffnete in Heringsdorf Europas erster zertifizierter Kur- und Heilwald. Eine „Grüne Apotheke am Meer“, in der auf 180 Hektar die heilenden Kräfte des Küstenwaldes bewusst genutzt werden. Ein einziger Tag im Wald nämlich soll das Immunsystem bereits kräftig stärken, den Blutdruck senken, den Puls regulieren und Stresshormone abbauen. An verschiedenen Stationen im Wald können zudem Muskeln aufgebaut sowie Konzentration und Gleichgewicht trainiert werden – ein bislang einzigartiges Projekt.

Doch nicht mehr lange: Was in Heringsdorf gut funktioniert, soll auch in anderen waldreichen Gemeinden Früchte tragen. Zum Beispiel in Bad Doberan. In der Münster-, Molli-, Moor- und Zappanale-Stadt laufen gerade die Vorbereitungen für das groß angelegte und großzügig geförderte Projekt Kur- und Heilwald. Ein 38 Hektar großes Waldgebiet, das als grünes Band die Innenstadt mit der außerhalb gelegenen Moorbad-Klinik verbinden soll. Für deren oft auf Rollstühle angewiesene Patienten wird diese Achse zur Stadt nicht nur barrierefrei sein, sondern auch Kurgebiet, das für Therapien genutzt werden und als Ruhezone dienen soll. Aber auch allen Einheimischen und Gästen soll das Heilmittel Wald einen gesundheitlichen Mehrwert bringen.

Die Waldaktie – Klimawald gegen Klimawandel

Seit 2007 verkauft das Land Mecklenburg-Vorpommern sogenannte Waldaktien, die sich auch elf Jahre nach dem Start großer Beliebtheit erfreuen. Waldaktien sind symbolische Anteilsscheine, mit denen Urlauber die Ökobilanz ihrer Ferienreise aufbessern können, indem sie damit Aufforstungen im Bundesland finanzieren. Wie jeder Baum binden auch diese neuen Gewächse Kohlendioxid und entziehen es somit der Atmosphäre. Und zwar auf zehn Quadratmeter Fläche etwa so viel, wie eine vierköpfige Familie in zwei Wochen Urlaub freisetzt.

Durch eine neu aufgeforstete Waldfläche von zehn Quadratmetern wird in der Wachstumsphase eine Biomasse von circa einem Kubikmeter Holz produziert. Dieser Kubikmeter bindet im Durchschnitt 925 Kilogramm CO2. Die Beispielfamilie setzt in den Ferien etwa 850 Kilogramm Kohlendioxid frei (Pkw-Anreise, Mittelklassehotel, 14-tägiger Urlaub). Mit der auf zehn Quadratmeter Wald entstehenden Holzmenge kann die Familie ihre urlaubsbedingten Emissionen also mehr als ausgleichen. Aufforstung und Pflege von zehn Quadratmetern Wald kosten aktuell etwa 20 Euro. Kauft die Familie also für jeden Urlaub zwei Waldaktien für zehn Euro für Aufforstungen, ist ihr Urlaub CO2-neutral.

Ein überzeugendes Argument, dem bislang 85.000 Interessenten folgten. Und zwar nicht nur aus Deutschland; Waldaktien wurden in ganz Europa und selbst nach Südamerika und Australien verkauft. Landesweit entstanden dadurch 18 Klimawälder auf einer Gesamtfläche von rund 120 Hektar. Nächste Pflanzung: Oktober 2018. Ausführliche Informationen zum Projekt und den Standorten der Klimawälder finden Interessierte auf der Webseite der Waldaktie, wo man sie auch online erwerben kann. Oder im Direktverkauf bei den Forstämtern.

Fotos:
Bewaldete Steilküste auf der Insel Rügen (Quelle: TMV/Dirk Topel)
Ivenacker Eichen im Dunst (Quelle: TMV/Thomas Grundner)
Herbstlicher Buchenwald bei Serrahn (Quelle: TMV/Roman Vitt)

Weitere Informationen:
www.weltnaturerbe-buchenwaelder.de
www.nationalpark-jasmund.de
www.mueritz-nationalpark.de
www.mv-baederverband.de
www.wald-mv.de

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