Hypersensibel?

Sie lieben Sport, Fußball oder gehen gern ins Kino, genau wie viele andere auch. Doch wenn sie einen sentimentalen Song hören, ein Buch lesen oder einen Film sehen, in dem es um Leid, Verlust und Trauer geht, oder jemandem ein Missgeschick vor ihren Augen passiert, dann zücken sie schneller als die meisten Menschen ihr Taschentuch. Sie sind übermäßig betroffen. Die Rede ist von den hypersensiblen Menschen, die von positiven als auch negativen Erfahrungen stärker „umgeworfen“ werden. Diese Informationen oder Reize werden vollständiger im Gehirn verarbeitet und treffen darum umso heftiger.   Auch Gerüche, Geräusche, Berührung und Geschmack nehmen hypersensible Menschen deutlicher wahr. Und besonders sind sie gegenüber Emotionen sensibilisiert – ihren eigenen und den von anderen.
Wissenschaftliche Forschungen gehen davon aus, das schätzungsweise etwa 20% der Bevölkerung in dieses Schema passen – Frauen ebenso viele wie Männer.

Gerade hat erstmals eine internationale wissenschaftliche Konferenz an der Universität Vrije in Brüssel zu diesem Thema stattgefunden.

Identifiziert wurde Hypersensibilität in den 1990er Jahren von den Psychologen Elaine und Arthur Aron, die auch einen 27 Punkte umfassenden Test entwickelt haben, der Aufschluss darüber gibt, ob jemand als hochsensibel gelten kann.

Hypersensible Menschen verarbeiten kognitive Vorgänge tiefer, sind schneller emotional überwältigt, haben stärkere emotionale Reaktionen und bemerken feine Differenzierungen eher, so Dr. Elaine Aron.

Heute gibt es zahlreiche Forschungsstudien, vom Gehirnscan bis zu genetischen Analysen, die sich um dieses Thema „Hochsensibilität“ gekümmert haben. Sie fanden heraus, dass hohe Sensibilität ebenfalls wie auch andere Persönlichkeitsmerkmale ein Spektrum – von niedrig bis hoch – abdeckt. Es ist nicht gleichzusetzen mit Introvertiertheit, obwohl sich solche Menschen manchmal aus sozialen Situationen oder Stimuli zurückziehen. Gehirnsscans haben gezeigt, dass HSP emphatischer sind im Vergleich zu nicht-HSP, zudem zeigen sie eine stärkere Aufmerksamkeit ihrer Umwelt gegenüber und können soziale und emotionale Zeichen ihrer engen Freunde und Partnern besser deuten. – Ingrid Mosblech-Kaltwasser

Foto: pixabay

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