Ins Mark getroffen – Prof. Dr. Thomas Bein – Buchtipp

Das Ergebnis der betriebsärztlichen Routineuntersuchung des Krankenhauses, in dem der Autor Prof. Dr. Thomas Bein als Oberarzt seit langer Zeit arbeitet, ist unmissverständlich: niedrige weiße Blutkörperchen in kaum messbarer Zahl. Der erfahrene Intensiv-Mediziner weiß natürlich, was das bedeutet. Aber wie erlebt ein Mensch, der täglich mit solchen oder ähnlichen Befunden seiner PatientInnen zu tun hat, wenn sie ihn selbst betreffen?

In seinem Buch „Ins Mark getroffen“ schreibt er als Patient, als Mediziner und als kluger Analyst darüber. Er kennt sich im Klinik-Alltag der Hightech-Medizin aus. Nun auf der anderen Seite dieser medizinischen Reise ins Ungewisse zu sein, ist auch für ihn manchmal eine Überforderung. Nach der Diagnose, bei der seine Kollegen sensibel vorgehen, wohlwissend, wem sie sie erläutern, geht es um die Therapie. Ein noch viel schwieriger Part. Denn von ihr hängt auch die Prognose, die Überlebenswahrscheinlichkeit ab.

Gibt es einen Preis dafür? Wie hoch ist er? Der Autor führt Zahlen an, die zeigen, ein Leben ohne Schmerzen ist für Krebspatienten nur sehr selten. Zumindest während der akuten Phase. Und was bedeutet es, während der Chemo-Therapie auszuhalten, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren und mit der Krankheit Krebs leben lernen zu müssen? Gibt es dafür ein wirksames Konzept? Kehrt irgendwann einmal eine gewisse Gelassenheit zurück und helfen die vielen Laufgruppen und Ratgeber? Oder ist es letztendlich die Akzeptanz der lebensbedrohlichen Erkrankung, die beim Weiterleben hilft? Ein Lernprozess, der individueller nicht sein kann.

Das Buch von Prof. Dr. Thomas Bein ist deshalb so beeindruckend, weil es mit dem Hintergrundwissen eines Mediziners die Patientensicht deutlich macht. Niemals wurde dem Autor bewusster, wie sein Wissen und sein Tun als Intensivmediziner auf einen Patienten wirkt. In seiner Tätigkeit und als ausgebildeter Medizinethiker war es ihm jederzeit wichtig, die Autonomie und Würde schwer kranker Patienten im Klinikalltag nicht zu verletzen. Wie sie dennoch angetastet werden und wo sich Verhaltensweisen und Methoden dringend ändern müssen, dem konnte er nun viel besser nachspüren und Missstände beim Namen nennen.

„Ins Mark getroffen“ ist ein wichtiges Buch, dessen Lektüre jeden, ob Patient*in, gesunder Mensch oder Mediziner*in, ein großes Stück im Leben weiterbringt, auch weil es zum Nachdenken anregt.

Ins Mark getroffen
Autor: Prof. Dr. Thomas Bein

Verlag: Droemer HC

ISBN: 978-3-426-27854-3

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