Internationale Frauentag – News und Facts

Bereits seit mehr als 100 Jahren findet am 8. März der Internationale Frauentag statt. Der Tag wird dafür genutzt, um für die Frauenrechte zu demonstrieren. Was hat sich getan?


Wie das Statistische Bundesamt ermittelte, bestritten im Jahr 2017 rund 72 % der 25- bis 54-jährigen Frauen ihren überwiegenden Lebensunterhalt aus einer eigenen Erwerbstätigkeit. Dieser Anteil hat vor zehn Jahren bei 65 % gelegen. In der Altersgruppe der 55 – 64 Jährigen ist eine noch eindeutigere Veränderung zu sehen. Lag hier der Anteil der Frauen im Jahr 2007 noch bei 36 %, stieg er im Jahr 2017auf rund 57 %.

Was Frauen sich für übermorgen wünschen

Wie stellen sich Frauen ihr Leben in 20 Jahren vor – und welche neuenIdeen begeistern sie? QVC hat darauf in seiner Studie „Living 2038“ein besonderes Augenmerk gelegt und verrät es anlässlich des Weltfrauentags am 8. März.

Digitalisierung, künstliche Intelligenz und virtuelle Welten werden unser Leben in den nächsten 20 Jahren verändern. Welche Wünsche und Hoffnungen verbinden Frauen mit dem Gedanken an die Zukunft? Antworten darauf gibt es in der neuen Studie „Living 2038“ von QVC, für die mehr als 1.000 Menschen in Deutschland befragt wurden.1

Frauen wollen mehr reparieren

Je komplexer, digitaler und virtueller unsere Lebenswelt wird, desto wertvoller sind die Momente, in denen wir etwas mit den mit eigenen Händen tun. Fast die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Frauen wünschen sich, in Zukunft mehr Dinge selbst zu machen, zum Beispiel etwas zusammenzubauen oder zu nähen. Und zwar nicht nur, weil es Sinn stiftet. Sondern auch, weil es Unabhängigkeit schenkt: indem man etwa selbst zum Schraubenzieher greift, wenn ein Gerät nicht mehr funktioniert.



Foto: istock.com/Kerkez

„Produkte, die ich einfach reparieren kann, wenn sie kaputt sind“ wünschen sich 62 Prozent der Frauen.


Mode, Beauty, Food: Je individueller, desto besser

Sneakers aus dem 3-D-Drucker? In Zukunft womöglich ganz normal, sagen Experten:

Personalisierten Produkten gehört die Zukunft. Die deutschen Frauen sind offen dafür: 40 Prozent wünschen sich Kleidung, die automatisiert nach Maß für sie produziert wird. Mehr als jede Zweite will sich so künftig das Anprobieren von Kleidung und Schuhen ersparen.

26 Prozent erhoffen sich für die Zukunft Schönheitsbehandlungen, mit denen sich ihr Aussehen nach ganz bestimmten Vorstellungen gestalten lässt. Und auch beim Essen wird Individualität wichtiger: „Ernährung, die optimal auf meinen Körper und meine Bedürfnisse abgestimmt ist“ wünschen sich 55 Prozent der Frauen für die Zukunft.


Komplett virtuell abtauchen? Lieber nicht!

Zuhause mit einer Brille in virtuelle Welten abtauchen – für diese Idee begeistern sich nur 29 Prozent der Frauen, hingegen 38 Prozent der Männer.

Frauen halten am echten Leben fest: Nur 36 Prozent stimmen zu, dass es künftig keinen Unterschied mache, ob man etwas virtuell über eine Brille erlebe oder in der realen Welt (Männer: 42 Prozent). Gefragt sind indes Trainingsprogramme, die die mentale Balance fördern, wie zum Beispiel Apps. 62 Prozent der Frauen wollen damit künftig leistungsfähiger und ausgeglichener werden.

1 Online-Befragung von Kantar; n=1.109; repräsentativ für Deutschland. Vergleichsdaten wurden jeweils für Männer und Frauen sowie für die Generation Z (11-17 Jahre), die Generation Y (18-32 Jahre) und die Generation X (33-52 Jahre) erhoben. Befragungszeitraum: April 2018. Zusätzlich führte Kantar zwei Konsumenten- Workshops mit Vertretern der Generation Z und Y durch. Textquelle: QVC

Hürden auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit

Auf dem Weg zu mehr Geschlechtergerechtigkeit bestehen nach wie vor große Hürden, so die einhellige Meinung eines Großteils der Bevölkerung. Gleichzeitig spielen gleichstellungspolitische Fragestellungen im Leben der Bundesbürger eine schwindende Rolle.

Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos, die anlässlich des Weltfrauentags in Zusammenarbeit mit dem »International Women’s Day« und dem »Global Institute for Women’s Leadership« durchgeführt wurde. In 27 Ländern wurden hierfür mehr als 18.000 Personen nach ihren Einstellungen in Sachen Gleichstellung befragt.

Internationalen Frauentag
Foto: Tim Gouw

Männer genießen auch heute noch viele Vorteile

Fast jeder zweite Deutsche (44%) glaubt, dass es auch in der heutigen Zeit noch von Vorteil ist, ein Mann zu sein. Im Umkehrschluss ist gerade einmal jeder Zehnte (12%) der Überzeugung, dass es in Deutschland insgesamt vorteilhafter ist, eine Frau zu sein. Rund drei von zehn Personen (28%) denken, dass es hierzulande kaum einen Unterschied macht, zu welchem Geschlecht man gehört. In vielen anderen Regionen der Welt sehen die Menschen im Mann-Sein sogar noch mehr Vorteile: Vor allem in lateinamerikanischen Ländern wie Chile (72%), Kolumbien (64%) oder Argentinien (62%) gelten Männer als besonders privilegiert.

Wenig Identifikation mit dem Begriff Feminismus

Die Menschen sind sich der weiterhin bestehenden Ungleichheit zwischen Mann und Frau also durchaus bewusst. Für eine deutliche Mehrheit aller Befragten ist das Erreichen von mehr Gleichberechtigung daher auch ein wichtiges persönliches Anliegen – sowohl in Deutschland als auch global gesehen (je 65%). Dennoch würde sich weltweit nur jeder Dritte (33%) als Feminist/in bezeichnen. In der Bundesrepublik haftet dem Begriff Feminismus sogar ein noch größeres Stigma an: Lediglich drei von zehn deutschen Frauen (28%) definieren sich selbst als Feministinnen. Unter den Männern kann sich hierzulande noch nicht einmal als jeder Fünfte (18%) mit diesem Terminus identifizieren.

Rückläufiges Interesse am Thema Gleichstellung

Auffällig ist zudem, dass die Zustimmungswerte in Sachen Gleichstellung im Vergleich zu den Vorjahren stark rückläufig sind. Während 2018 noch drei Viertel der Deutschen (74%) angaben, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau für sie persönlich wichtig ist, taten dies ein Jahr später nur noch zwei Drittel der Befragten (65%). Der Anteil an Personen, die sich selbst als Feminist/innen bezeichnen, ist um insgesamt fünf Prozentpunkte gesunken (von 28% auf 23%).

Gleichzeitig steigt der Anteil derer, die der Überzeugung sind, dass in Deutschland hinsichtlich der Gleichstellung von Männern und Frauen bereits genug getan wurde.

Mehr als vier von zehn Männern (43%) stimmen dieser Aussage zu, ein Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 34 Prozent. Deutsche Frauen sehen zwar deutlich mehr Handlungsbedarf, doch auch unter ihnen steigt der Anteil derer, für die das Thema Gleichstellung an Bedeutung verliert (Anstieg von 25% auf 28%).

Ungleiche Bezahlung in Deutschland das größte Gleichstellungsproblem

Nichtsdestotrotz vertreten viele Befragte die Ansicht, dass Frauen auf dem Weg zur vollständigen Gleichberechtigung noch immer große Hürden zu überwinden haben.

In Deutschland wird vor allem die ungleiche Entlohnung von Männern und Frauen kritisch gesehen: Jeder dritte Bundesbürger (32%) bewertet dies als eines der schwerwiegendsten Probleme, mit dem sich Frauen in der heutigen Gesellschaft konfrontiert sehen. Sexuelle Belästigung rangiert bei uns auf Platz zwei der wichtigsten Gleichstellungsthemen (17%), gefolgt von sexueller Gewalt (15%) und dem Mangel an Frauen in Führungspositionen (12%). Global gesehen wird vor allem den Themen sexuelle Belästigung (30%), sexuelle Gewalt (27%) und körperliche Gewalt (22%) eine große Bedeutung beigemessen.

Gerechtere Löhne und strengere Gesetze zum Schutz vor Gewalt und Belästigung werden daher besonders häufig genannt, wenn es um mögliche Maßnahmen geht, die bei der Gleichstellung der Geschlechter helfen könnten.

Global gesehen wird die gleiche Entlohnung von Männern und Frauen von 36 Prozent der Menschen als besonders wichtig erachtet, vor allem in westlich geprägten Gesellschaften wie Deutschland (44%). Weltweit sehen fast ebenso viele Befragte (35%) strengere Gesetzgebungen zum Schutz von Frauen als zentrale Forderung im Kampf um mehr Gleichberechtigung – in Deutschland stimmt dem nur jeder Fünfte (20%) zu.

Gleichberechtigung kann nur mit der Hilfe der Männer erzielt werden

Weitgehende Einigkeit herrscht darüber, dass Frauen keine vollständige Gleichstellung erreichen werden, solange nicht auch die Männer für Frauenrechte eintreten.

Im globalen Durchschnitt stimmen knapp zwei Drittel aller Befragten (65%) dieser Aussage zu, in Deutschland immerhin sechs von zehn Personen (59%). Jeder zweite Mann (50%) weltweit vertritt jedoch die Meinung, dass von Männern beim Kampf um die Gleichstellung zu viel erwartet wird – bei uns sieht das jeder dritte Mann (35%) und sogar jede vierte Frau (26%) so.

Dr. Robert Grimm, Leiter der Ipsos Sozial- und Politikforschung, zu den Studienergebnissen:

»Das Thema Gleichstellung polarisiert die Deutschen weniger als angenommen und unser Land ist nach Einschätzung der Bürger in vielerlei Hinsicht vergleichsweise fortschrittlich. Trotzdem hat Deutschland weiterhin Bedarf an einer Gleichstellungspolitik. Vor allem der Gender Pay Gap wird von vielen Mitbürgerinnen nach wie vor als große Ungerechtigkeit wahrgenommen. Die Meinung darüber, wie eine solche Politik umgesetzt werden kann, wirft jedoch Fragen auf. In einer Sache sind sich die meisten deutschen Frauen aber schon einig: Wirkliche Gleichstellung sollte nicht allein über staatliche Dekrets von oben verordnet werden. Nachhaltig zielführend ist dies nur, wenn auch die männlichen Mitbürger kulturell umdenken. Letztlich wird Gleichstellung nicht gegen, sondern zusammen mit den Männern erreicht.« Titelfoto:Shamim Nakhaei

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