Kluge Kinder und wie sie noch klüger werden

Erwachsene haben eine Vorstellung davon, wie wahrscheinlich bestimmte Ereignisse eintreten, und erkennen so statistische Regelmäßigkeiten. Doch ab welchem Alter sind wir in der Lage, Wahrscheinlichkeiten einzuschätzen? Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und der Universität Uppsala, Schweden haben nun gezeigt: Bereits sechs Monate alte Babys haben ein Gefühl für Wahrscheinlichkeiten.

Viele blaue, wenige gelbe Bälle

Den Kleinen gelingt es bereits aus einer Menge aus blauen und gelben Bällen herauszufiltern, welche Farbe die häufigere und damit diejenige ist, die mit größerer Wahrscheinlichkeit gezogen wird.

„Die Fähigkeit, Wahrscheinlichkeiten abzuschätzen, scheint sich etwa im Alter von sechs Monaten herauszubilden“, so Ezgi Kayhan, Neurowissenschaftlerin am Leipziger Max-Planck-Institut und Leiterin der zugrundeliegenden Studie.

Wie können Wissenschaftler herausfinden, wie Babys ein Ereignis als wahrscheinlich oder unwahrscheinlich einschätzen? Den Kleinsten fehlen in diesem Alter noch die sprachlichen Fähigkeiten, um sich so mitteilen zu können. Die Forscher benutzen die Eyetracking-Methode. Während die Babys Kurzfilme sahen, konnten die Forscher beobachten, auf welche der beiden Körbe, die sich mit bunten Bällen füllten, die kleinen Probanden länger schauten – die wahrscheinlichere oder die unwahrscheinlichere.

„Wir haben festgestellt, dass die Babys, egal welcher Altersklasse, länger auf die unwahrscheinlichere Variante schauten. Vermutlich waren sie erstaunt darüber, dass sie vor allem aus den nur sehr wenig vorhandenen gelben Bällen bestand, sie also ein sehr unwahrscheinliches Ereignis war“, so die Forscherin.

Um sicherzustellen, dass die Kleinen sich nicht nur mehr zu der gelben Farbe hingezogen fühlten, drehten die Wissenschaftlerinnen in einigen der Versuche die Häufigkeiten beider Farben um oder verwendeten grüne und rote Bälle.

Und tatsächlich: Als die Forscher das Verhältnis aus blauen und gelben Kugeln und damit die Wahrscheinlichkeiten eine der beiden Farben zu ziehen veränderten, änderten sich auch die Blicke der Kleinen. War es nun lediglich neunfach wahrscheinlicher, dass die Maschine eine blaue statt einer gelben Kugel ausspuckte, schauten die kleinen Studienteilnehmer plötzlich länger auf die wahrscheinlichere Variante, den Korb mit vorrangig blauen Bällen.

Unabhängig von einer möglichen Erklärung habe die Studie aber vor allem eines klar gezeigt: Ob Babys mit Wahrscheinlichkeiten umgehen können, hängt nicht nur von ihrem Alter, sondern auch vom Verhältnis zwischen einem wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Ereignis und damit dem Schwierigkeitsgrad ab.

Originalveröffentlichung
Kayhan E, Gredebäck G, Lindskog M
Infants distinguish between two events based on their relative likelihood.
Child Development, 2017

Fisch macht Kinder schlau und ausgeglichen

Kinder, die einmal pro Woche Fisch essen, schlafen besser und erreichen durchschnittlich einen um vier Rohpunkte erhöhten IQ-Wert, als vor dem häufigeren Fischverzehr.  541 chinesische Kinder im Alter zwischen 9 bis 11 Jahren, darunter 54 Prozent Jungen und 46 Prozent Mädchen, nahmen an der Studie der University of Pennsylvania teil, deren Ergebnisse im Scientific Reports erschienen sind.
Das Ess- und Schlafverhalten der Kinder wurde mittels eines Fragebogens erhoben, den die Eltern ausfüllten. Die Intelligenz der Kinder ermittelten die Forscher mit der chinesischen Form des Hamburg-Wechsler-Intelligenztests.
Es zeigte sich, dass die Kinder, die jede Woche Fischmahlzeiten zu sich nahmen, 4.8 mehr Punkte im IQ-Test erzielten, als diejenigen, die nur manchmal Fisch aßen. Deren IQ-Wert wurde um 3,3 Punkte höher.
Grund: Omega 3 Fettsäuren, die insbesondere in fetten Fischen wie Lachs vorkommen, sorgen für einen besseren Schlaf und in der Folge auch für bessere kognitive Leistungen sowie generell für ein ausgeglichenes Verhalten der Kinder. (IMK)

Originalveröffentlichung:

Jianghong Liu, Ying Cui, Linda Li, Lezhou Wu, Alexandra Hanlon, Jennifer Pinto-Martin, Adrian Raine, Joseph R. Hibbeln. The mediating role of sleep in the fish consumption – cognitive functioning relationship: a cohort study. Scientific Reports, 2017; 7 (1) DOI: 10.1038/s41598-017-17520-w

 

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