Lesen: Buch oder Tablet – was ist augenschonender?

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Frankfurt, 10. Oktober 2018 – Mit der Frankfurter Buchmesse beginnt der Leseherbst, die Tage werden kürzer und viele Menschen nehmen wieder häufiger ein Buch zur Hand. Lesen fördert den Wortschatz, verbessert die Hirnleistung und macht einfach Spaß. Doch für unsere Augen kann das Lesen so manche Strapaze bedeuten.

So steigt mit Einzug von Tablets und Smartphones die Zahl der Kurzsichtigkeit bei Kindern in Industrienationen seit Jahren rasant an, beklagen Augenärzte weltweit.

„Vor allem das pausenlose Lesen in kurzer Distanz schadet dem Auge“, sagt Prof. Dr. Ziad M. Hafed, Leiter der Arbeitsgruppe „Wahrnehmung“ am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen.

Der Neurowissenschaftler und sein Team erforschen am HIH das Zusammenspiel zwischen Wahrnehmung und Augenkontrolle.

„Unser Hirn unterstützt uns ununterbrochen, damit wir stabil sehen und lesen können“, so Prof. Hafed. „Um unsere Sehkraft gesund zu erhalten, gibt es allerdings einiges zu beachten.“

 

Hier die drei besten Experten-Tipps für das Lesen:


• Den Blick in die Ferne schweifen lassen

„Verbringen Sie bei Tageslicht immer wieder Zeit im Freien und schauen Sie in die Ferne“, rät Prof. Hafed. „Der Horizont-Blick verhindert vor allem bei Kindern die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit. Denn sobald der Mensch längere Zeit bei Schummerlicht in geschlossenen Räumen verbringt und auf kurze Entfernung in einem Buch oder auf einem Tablet liest, bekommt der Augapfel das Signal in die Länge zu wachsen. Die Linse kann aber mit einem zu großen Augapfel das Bild nicht mehr angemessen fokussieren – es entsteht Kurzsichtigkeit.“

• Zur Abwechslung mal Weiß auf Schwarz lesen

„Auch ständiges Lesen von schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund – egal ob im Buch oder auf dem Tablet – signalisiert dem Augapfel in die Länge zu wachsen, wodurch Kurzsichtigkeit entstehen kann. Das haben aktuelle Studien gezeigt“, sagt Prof. Hafed. Sein Tipp: „Besser wäre es, zur Abwechslung weiße Schrift auf schwarzem Grund zu lesen, damit die dunklen Neuronen beim Lesen nicht zu häufig aktiviert werden und den Augapfel wachsen lassen. Bei einem technischen Gerät wie dem Tablet hat man die Möglichkeit, den Kontrast zu verändern.“

• Blaues Licht vermeiden

„Gegen Abend bereitet sich der Körper und auch der so genannte zirkadiane Rhythmus der Augen darauf vor zu schlafen, doch die helle Beleuchtung der Tablets hat häufig Anteile von blauem Licht, das den Augen schaden kann. Zudem verursacht der blaue Lichtanteil Schlafstörungen, die negativen Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit und das Lernvermögen haben“, sagt Prof. Hafed. „Besser ist es, Tablets mit einer Light Shift-Funktion zu nutzen, um die blaue Farbe herauszufiltern – oder gleich zum Buch zu greifen.“

Das Experten-Fazit:

„Um ihre Sehkraft möglichst lang gesund zu erhalten, sollten Literaturliebhaber bei Lese-Distanz und Licht immer auf die Balance achten. Wer drinnen viel auf kurze Distanz liest, sollte regelmäßig bei Sonnenlicht draußen weit sehen. So können Lesefreunde die Zeit mit dem Tablet oder dem gedruckten Buch unbeschwert genießen, denn das Lesen selbst ist mit das Beste, was wir für unser Hirn und die Entwicklung unserer Persönlichkeit tun können.“

Scharfes Bild trotz ständiger Augenbewegungen

Prof. Hafed geht am HIH derzeit der Frage nach, mit welchen Mechanismen das Gehirn das Auge kontrolliert, damit der Mensch ungestört lesen kann.

„Um ein scharfes Bild der Umwelt zu erhalten, führen wir unbewusst ständig schnelle Augenbewegungen durch, so genannte Sakkaden und Mikrosakkaden“, erklärt Prof. Hafed. „Wir sind dabei herauszufinden, wie das Gehirn trotz dieser ständigen Bewegungen ein stabiles Bild der Außenwelt erzeugt. Für seine Forschung analysiert der Kanadier die Aktivität von Nervenzellen und kombiniert die Daten mit Computermodellen und Verhaltensexperimenten. „Das menschliche Sehen fasziniert mich, da es so erfolgreich und effizient funktioniert – trotz großer Herausforderungen, die eigentlich dagegen sprechen“, sagt Prof. Hafed.

Hertie-Stiftung größter privater Förderer der Hirnforschung in Deutschland

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung hat das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen, einem der bundesweit größten und modernsten Zentren zur Erforschung neurologischer Erkrankungen, mit bislang rund 50 Millionen Euro unterstützt. Die Stiftung engagiert sich darüber hinaus in der Wissensvermittlung und informiert die Öffentlichkeit unter anderem auf der Website www.dasGehirn.info. Hier wird das gebündelte Wissen über das Gehirn verständlich aufbereitet und die aktuelle neurowissenschaftliche Forschung dargestellt. Weitere Infos auch auf der Hertie-Homepage www.ghst.de.

Photo by Chris Benson

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