Mobilität ohne Auto – auch in Corona-Zeiten

Mobilität

Berlin. Verwaiste Straßen, leere Züge und Busse und dafür viele Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrende – dieses Bild vom Beginn des Lockdowns hat sich in vielen Köpfen eingebrannt. Inzwischen sieht das Bild schon längst wieder anders aus. Umfragen zeigen, dass ein Großteil der Deutschen nach der Corona-Krise wieder mehr mit dem eigenen Pkw oder dem Mietauto unterwegs sein will. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) möchte die Alternativen zur Autofahrt auf jeder Wegstrecke ins Bewusstsein rufen.

„Viele Menschen haben in der Corona-Krise das Zufußgehen wieder für sich entdeckt. Laufen kann ein guter Ausgleich zu anderen, vor allem sitzenden Tätigkeiten sein. Auf jeden Fall ist es eine gute Möglichkeit, umweltfreundlich und gesund ans Ziel zu kommen und sollte wieder als Möglichkeit der Fortbewegung in Betracht gezogen werden“, so Stella Mederake, Verkehrsexpertin des BUND.

Ebenso klimaverträglich und gut für die Fitness ist es, mit dem eigenen Rad oder dem Leihrad unterwegs zu sein. Für regelmäßige, längere Wege über zehn Kilometer und vor allem in bergigen Gebieten empfiehlt sich die Anschaffung eines E-Bikes.

„Wenn es mal ein größerer Einkauf sein soll, gibt es inzwischen in vielen Städten die Möglichkeit, Lastenräder kostengünstig oder sogar kostenlos auszuleihen. Auch immer mehr Baumärkte oder Möbelhäuser stellen Gratis-Lastenräder für den Transport des Einkaufs bereit.“

Wer kein Auto hat und daher immer mal wieder im Internet bestellt, kann bei lokalen Anbietern ordern, wodurch die Waren nur innerhalb der Stadt oder Region geliefert werden müssen. Viele Händler bieten dies auf ihren Internetseiten an. Zusätzlich gibt es immer mehr „lokale Online-Marktplätze“, also Plattformen, auf denen die teilnehmenden Händler, Dienstleister und Vereine einer Region ihre Waren und Dienstleistungen zum Online-Verkauf anbieten. 

Leider laden unsere Straßen und Wege auf dem Land und in vielen Städten nicht unbedingt zum Radeln ein: Fehlende Radwege oder -spuren bei gleichzeitig stark frequentierten Straßen, falsch parkende Autos, schlecht eingerichtete Baustellen und die ständige Sorge vor rechts abbiegenden Autos oder Lkw sind alltägliche Probleme. „Der BUND setzt sich dafür ein, dass Rad- und Fußverkehr den angemessenen Platz in unseren Städten bekommen und mehr Geld in gute Rad- und Fußwege investiert wird. Trotzdem kann Radfahren auch jetzt schon viel Spaß machen.“ 

In Gruppen zu radeln, kann sogar ein soziales Erlebnis werden – vorausgesetzt die Radwege geben es her. „Fragen Sie doch einmal Ihre Kolleginnen oder Kollegen, von wo sie zur Arbeit pendeln und schließen sich in kleinen Gruppen morgens und abends zusammen. In Gruppen werden Radfahrende zudem viel besser wahrgenommen. Das erhöht die Sicherheit und hat einen hohen Nachahmeffekt für alle, die sich im Stadtverkehr noch nicht so oft auf das Fahrrad trauen.“ 

Und wie ist das bei längeren Strecken? Der öffentliche Verkehr ist eine gute Alternative zum Auto – und mit entsprechenden Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen auch weitgehend sicher. Landesregierungen in Hamburg und Brandenburg werben nun wieder für die Fahrt im ÖPNV und betonen, dass es keine Belege für den ÖPNV als Ort der Verbreitung von Corona gibt. Zudem weisen erste Studien auf eine Schutzfunktion der Mund-Nasen-Maske hin, die aktuell verpflichtend im öffentlichen Nahverkehr getragen werden muss und die die Deutsche Bahn auch im Regional- und Fernverkehr vorschreibt. „Das ist sinnvoll und sollte von möglichst allen befolgt werden“, so Mederake.

„Die Verkehrsbetriebe tun gerade viel für eine gute Sauberkeit und Hygiene in den Fahrzeugen. Wo immer möglich hilft das Öffnen von Fenstern und Türen für eine Verbesserung des Luftaustausches in den Fahrzeugen.“ Für Ausflüge oder Menschen, die zeitlich flexibel sind, empfiehlt es sich, nicht unbedingt zu den Stoßzeiten unterwegs zu sein. 

Natürlich muss jeder Mensch die Entscheidung für das passende Verkehrsmittel selbst treffen. Gerade als Risikopatientin oder Risikopatient empfiehlt es sich durchaus, für weitere Strecken auch mal ein Auto zu nutzen. Dann sollte aber darauf geachtet werden, dass ein möglichst kleines, sparsames Fahrzeug zum Einsatz kommt. „Das muss allerdings auch kein Privatfahrzeug sein, Mietwagen- oder Car-Sharing-Anbieter gibt es wie Sand am Meer. Und wer eh nur selten Auto fährt, spart gegenüber hohen monatlichen Kosten eines Privat-Pkw auch noch viel Geld.“

Grundsätzlich bleibt es aber dabei: Je mehr Menschen zu Fuß gehen oder auf das Rad und den öffentlichen Verkehr umsteigen, desto mehr muss die Politik darauf reagieren und endlich Platz schaffen – für Menschen statt für Autos. Quelle: www.bund.net

Weitere Informationen:
https://www.mit-dem-rad-zur-arbeit.de/bundesweit/index.php

Anmerkung der Redaktion: Tipps, die gut umzusetzen sind. Allerdings müssen Fahrradfahrer aber immer auch die Fußgänger im Blick haben, gerade wenn der Weg für beide vorgesehen ist. Das heißt, rechtzeitig die Fahrradklingel betätigen, um sich bemerkbar zu machen.

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