Niederländisches Design – Breaking Boundaries

Pauline-von-Dongen

Greenshowroom und Ethical Fashion Show Berlin sind heute eröffnet worden. Ich weiß noch, als ich das erste Mal diese Messen besucht habe. Spannend und höchst informativ hatten sie noch den Nimbus des Experimentellen und fanden damals noch teilweise im Berliner Hotel Adlon statt. Jetzt versammeln sich nicht weniger als 180 internationale Labels im schönen Funkhaus Berlin. Damit sind die beiden Messen auf der Berliner Fashion Week so groß wie nie zuvor.

Auch viele Label aus den Niederlanden sind dort zu finden, denn niederländische Designer*innen haben sich mittlerweile als Blaupause für progressives, zukunftsweisendes Design etabliert. Mit konzeptionellem Denken verschieben niederländische Designer Kontexte und loten die Grenzen des Machbaren neu aus. Egal ob es darum geht, Mode im Sinne einer Kreislaufwirtschaft neu zu denken und zu designen, oder Schnittstellen zwischen Technologie und Kleidung zu schaffen — niederländisches Design besticht mit progressiven Lösungen und richtungsweisenden Ideen. Minimalistisch und experimentell, innovativ-unkonventionell und mit augenzwinkerndem Sinn für Humor — so lässt sich die typisch niederländische Entwurfsästhetik beschreiben. Das Besondere entsteht durch die Verbindung eines raffinierten Designprozesses mit Streben nach handwerklicher Perfektion. Jede Stufe des Entwurfs wird gewissenhaft durchdacht; das Experimentelle wird über das Bekannte gesetzt und mit Geschmack, Expertise und Know-how kombiniert. So entsteht eine einzigartige Formensprache, die von kunstvollen Patterns über skulpturale Strickkörper bis hin zu innovativer Schnittführung neue Möglichkeiten aufzeigt.

Pauline van Dongen

Von einem Top, das die Körperhaltung des Trägers analysiert und via Smartphone auf eine ungesunde Haltung aufmerksam macht bis hin zu „Kleidung mit Solarelementen“ — die niederländische Designerin Pauline van Dongen kombiniert in ihren Projekten Technik und Mode und zählt damit zu den Wegbereitern der Wearable Technology. Ihr neuester Entwurf: Die intelligente
Denimjacke „Issho“, die über subtile körperliche Empfindungen den Träger das Gefühl eines sanften Klopfens auf den oberen Rücken spüren lässt. Das Ziel der Kollaboration mit dem italienischen Denimproduzenten Italdenim ist es, den Träger dazu zu ermutigen, in unserer zunehmend beschleunigten Welt im Jetzt präsent zu bleiben. www.paulinevandongen.nl

Mud Jeans

Mud Jeans

Mit Jeans die Modewelt revolutionieren. Genau das setzt das junge, niederländische Unternehmen Mud Jeans mit Hilfe eines eigenen Recycling-Kreislaufs um. Kunden von Mud Jeans haben zwei Optionen: Leasen oder Kaufen. So oder so sollen die Hosen am Ende ihres Lebenszyklus wieder zurück an Mud Jeans gesendet werden. Dadurch sichert sich das Label die Rohstoffe für zukünftige Kollektionen — ganz im Sinne der Circular Economy. Abgesehen davon sind die Jeans natürlich fair und organic.
www.mudjeans.eu

 

Hathaway Designs

Hathaway Design
Design mit sozialer Dimension – dafür steht Hathaway Designs. Inspiration findet die niederländische Designerin Cynthia Hathaway häufig in den kreativen Schaffensprozessen von Gruppen oder Individuen, denen sie mit ihrem Design eine Plattform verleiht. Ihr neuestes Projekt Sweat(er)- shop, das derzeit im Utrecht Science Park halt macht, kreiert mit einem gedanklichen Bruch
eine textile Wertschöpfungskette vor Ort in den Niederlanden: Studenten, Professoren und Campus- Mitarbeitern wird gezeigt, wie sie die Wolle, die üblicherweise zur Verarbeitung nach China geschickt wird, selbst durch Filzen zu Pullovern verarbeiten können. So entstehen die ersten lokal produzierten Universitätspullover!
www.hathawaydesigns.org

Studio Tj eerd Veenhoven

Tjeerd-Veenhoven
Produktdesign mit ungewöhnlichem Fokus: Das Studio Tjeerd Veenhoven entwickelt Wertschöpfungsketten – vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt und dem Kundenerlebnis. Derzeit arbeitet das Designstudio beispielsweise an Garnen aus Algen. Denn Algen, so die Überzeugung der Niederländer, eignen sich hervorragend als eine zukünftige, nachhaltige, recyclebare Rohstoffalternative für Textilien. Das sieht auch die Jury der H&M Foundation so. Das Projekt „Algae-Fabrics“ wurde mit dem Global Change Award 2015 als eines der Top-Fünf-Konzepte für eine nachhaltige und kreislauffähige Modeindustrie ausgezeichnet.
www.tjeerdveenhoven.com

 

Elsien Gringhuis

Elsien-Gringhuis
Was ist die Essenz von Kleidung? Die Antwort darauf gibt das niederländische Designstudio Elsien Gringhuis. Die international anerkannte Designerin aus Arnem setzt ihre Mode gekonnt in einen Dialog mit der Trägerin. Ihre Designhandschrift ist dabei stets klar erkennbar: eine Kombination cleaner, kantiger Schnitte mit innovativen Details, die zu dezenten, intelligenten Styles verschmelzen. Mit dieser Mischung aus sporty Chic und minimalistischem Understatement hat sich das Label als eines der führenden nachhaltigen High-End-Brands etabliert.
www.elsiengringhuis.com

 

Simeon Morris

Mud Jeans
Modedesign mit integrativem Ansatz: Simeon Morris geht mit seinem neuesten Forschungsprojekt „Virtual Sizing“ der Herausforderung nach, die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung in den kreativen Designprozess einzubeziehen. So entwickelt der englische Designer mit Sitz in Arnhem derzeit Mode speziell für Rollstuhlfahrer. Dazu setzt sich der ausgebildete Schnitttechniker umfassend mit ihrem Leben und ihren Bedürfnissen auseinander. Neue Möglichkeiten für eine perfekte Passform eröffnet die 3D-Bodyscan-Technologie. Seine Erkenntnisse verarbeitet Morris
in der Pilot Kollektion „Grace“. www.simeonmorris.com

Byborre


Die Grenzen des Machbaren ausloten – das ist der Anspruch des Amsterdamer Fashion-, Design-und Innovationsstudios Byborre. Und zwar entlang der gesamten Produktionskette; von der
Faser bis zum fertigen Produkt. So sind neben der eigenen High-End-Urban-Kollektion bereits Kooperationen mit illustren Partnern wie Nike, Louis Vuitton oder Volvo entstanden. Charakteristisch für die Arbeiten des niederländischen Design-Duos ist die Verbindung von Ästhetik, High-Tech und Materialforschung. Die archetypischen Styles vermitteln ihren Trägern ein
Gefühl für die Geschichte der Materialien und Herstellungsprozesse.
www.byborre.com

Bedtime for Bonzo

Bedtime-for-Bonzio
Handwerk trifft Innovation. Von einem dicken Pullover als Statement für den Klimaschutz über hochwertige, handgefertigte Röcke und Kleider bis hin zu Stühlen mit Strickbezug – die innovative Strickdesignerin Caroline Evers kreiert mit Bedtime for Bonzo seit den 1980er Jahren Strickwaren und gestrickte Skulpturen. So designte sie beispielsweise einen Raum des Hotels Modez in Arnheim. Die Handschrift der Designerin spiegelt sich dort unverkennbar wider: Lampen, Vorhänge, Deko und selbst die Stühle sind mit ganz unterschiedlichen, komplizierten Strickmustern verziert. Evers gibt den Gegenständen damit einen neuen Look mit ungewohnter Haptik.
www.bedtimeforbonzo.nl

Internet und Digitalisierung vernetzen unsere Welt

Doch die globalisierten Zusammenhänge sind oft so komplex, dass das Wesentliche in den Hintergrund rückt, unsichtbar wird. So kann beispielsweise kaum noch ein Konsument nachvollziehen, von wem ein Kleidungsstück genäht wurde. Es verwundert daher nicht, dass Transparenz zum Buzzword geworden ist. Herstellungsprozesse und Vernetzungen — egal ob im Großen oder Kleinen — sichtbar zu machen und in den Vordergrund zu rücken, dazu haben niederländische Labels eine ganze Reihe von individuellen und innovativen Ideen.

Sander Luske

Sander-Luske
Handgearbeitete Unikate mit individueller Note – dafür steht der Porzellandesigner Sander Luske. Sein Charakteristikum ist das Spiel mit dem Sichtbaren und Unsichtbaren. Das zeigt sich besonders in seiner Serie „Stich and Glue“: Das Geschirr besteht aus weißen Porzellanteilen, die mit blauem Porzellankleber verbunden werden. Was normalerweise versteckt werden würde, wird hier als Designelement gekonnt in den Vordergrund gestellt. Es entstehen einzigartige Teile, die nicht nur kunstvoll aussehen, sondern bewusst den Herstellungsprozess inszenieren.
www.luske.nl

Katja Gruijters

Katja-Gruijters
Essen ist nicht nur eine Notwendigkeit. Es steht in intimem Zusammenhang mit dem Herkunftsland, mit Traditionen und Geschmack, ist Teil einer Kultur und eng verknüpft mit Ritualen und sozialer Interaktion. Diese Wahrnehmung von Essen als Teil eines großen Ganzen zu schärfen, hat sich die Food Designerin Katja Gruijters zur Aufgabe gemacht. Damit gehört sie einer jungen Designdisziplin an, die die Korrelationen zwischen Food, Wissenschaft, Technologie, Kultur, Natur und Design untersucht. www.katjagruijters.nl

Myomy do goods

Myomy
Das niederländische Taschenlabel Myomy verbindet cutting edge Design und einen respektvollen Umgang mit Mensch und Natur. Seit 2007 entwirft die Designerin Marja Baas zeitlose, edle Taschen aus nachhaltigem Naturleder, gefertigt in Handarbeit und unter fairen Bedingungen in Indien. Diese Verbindung illustrierte das Label jüngst auf besondere Weise mit der Fotoausstellung „Positive Icons“: Die Porträts und Geschichten prominenter Niederländer, die Mymomy-Taschen tragen, werden denen der stolzen, indischen Taschenproduzenten gegenüberstellt.
www.myomydogoods.com

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