Online-Computerspiele verändern das Gehirn

In einer neuen Studie haben Forscher um Professor Christian Montag, Leiter der Abteilung Molekulare Psychologie an der Universität Ulm, untersucht, wie das Spielen eines populären Online-Computerspiels über einen Zeitraum von sechs Wochen hinweg die Hirnstruktur beeinflusst. Insbesondere im orbitofrontalen Kortex, einem Bereich im Gehirn, der für die Kontrolle von Emotionen und Entscheidungen wichtig ist. Die Studie führte Dr. Christian Montag gemeinsam mit Professor Benjamin Becker, Leiter der neuSCAN Forschungsgruppe an der University of Electronic Science and Technology im chinesischen Chengdu durch. Wegen der großen Verbreitung und des hohen Bekanntheitsgrades spielten die Testteilnehmer in der Studie „World of Warcraft“.

„Wir konnten zeigen, dass Computerspielen von WoW mit einer Reduktion des Hirnvolumens im orbitofrontalen Kortex assoziiert ist“, erklärt Christian Montag. „Die beobachtete Reduktion könnte mit einer schlechteren Emotionsregulation und Entscheidungsfindung einhergehen. Besorgniserregend ist, dass sich die hirnstrukturellen Veränderungen bereits nach sechs Wochen nachweisen ließen“, so der Psychologe weiter.

Info:
World of Warcraft (WoW) ist ein Fantasy Online-Rollen-Computerspiel der Herstellerfirma Blizzard Entertainment aus den USA und gehört zu den Massively Mulitplayer Online Role-Playing Games (MMORPG) zu Deutsch: Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiel. Seit der Einführung im Jahr 2004 wurden verschiedene Erweiterungen veröffentlicht, die das Spiel zu einem der populärsten und weitverbreitetsten Online-Games machten; weltweit wird WoW von rund 5,5 Millionen Menschen gespielt (Stand 2015). Auch in der E-Sports-Szene gibt es eine eigene Liga.

Originaltitel der Studie:
Zhou F, Montag C, Sariyska R, Lachmann B, Reuter M, Weber B, Trautner P, Kendrick K, Markett S & Becker B: Orbitofrontal gray matter deficits as marker of Internet gaming disorder: converging evidence from a cross-sectional and prospective longitudinal design; Addiction Biology, 23 October 2017, doi:10.1111/adb.12570

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