Rückenschmerzen: Welche Behandlung ist sinnvoll und wann?

Rückenschmerzen gehören in Deutschland zu den häufigsten Krankheiten. Sie sind der Hauptgrund für Arbeitsunfähigkeit und medizinische Rehabilitationsmaßnahmen. Bei der Behandlung von Kreuzschmerzen ist eine strukturierte Vorgehensweise bei Diagnostik und Therapie im Sinne einer Gesamtstrategie wichtig.
Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und der Berufsverband für
Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) weisen deshalb auf die nationale Versorgungsleitlinie „nicht
spezifischer Kreuzschmerz“ als Information für Patienten hin. Die Patientenleitlinien informieren
Betroffene darüber, wie Kreuzschmerzen aus ärztlicher Sicht eingeordnet und behandelt werden
können, denn ein informierter Patient kann besser mit seinen Problemen umgehen als ein von Ängsten verunsicherter Patient.

Beim nicht spezifischen Kreuzschmerz und beim Fehlen von Warnhinweisen, sogenannten roten
Fahnen, ist es richtig, den Einsatz bildgebender Verfahren nicht gleich aufzurufen, sondern erst, wenn die Schmerzen vier bis sechs Wochen bestehen. Bewegung wird empfohlen anstatt Bettruhe. Auch schmerzlindernde Medikamente können hilfreich sein und es soll mit dem Arzt beim Erstkontakt auch besprochen werden, ob besondere Belastungen in persönlichem Umfeld, Beruf und Familie vorliegen.
Massage, Akupunktur und ähnliche passive Verfahren gelten nur in Verbindung mit aktivierenden
Maßnahmen als bedingt sinnvoll. Selbst bei länger bestehenden Rückenschmerzen liegt der
Schwerpunkt auf physikalischen medizinischen Anwendungen und psychologischen
Therapieangeboten und medikamentöser Therapie als zusätzlicher Ergänzung.

Die Leitlinie „Spezifischer Rückenschmerz“ ergänzt die nationale Versorgungsleitlinie nicht
spezifischer Kreuzschmerz. Spezifische Rückenschmerzen können degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule, deformierte Bandscheiben, chronische Entzündungen oder Verschleißerscheinungen sein.
Generell gilt bei schmerzhafter Erkrankung der Wirbelsäule in den ersten zwei bis drei Wochen die
Leitlinie „nicht spezifischer Kreuzschmerz“, sofern der Arzt nach eingehender, körperlicher
Untersuchung und Patientengesprächen keine eindeutigen Hinweise auf spezifische Ursachen finden kann.

Nicht spezifische Rückenschmerzen verschwinden im Prinzip bald von selbst wieder, wenn
einige wenige oben aufgezeigte Verhaltensmaßnahmen berücksichtigt werden.
Sollte der Verdacht auf einen spezifischen Kreuzschmerz vorliegen, so definiert die Leitlinie
„spezifischer Kreuzschmerz“ die Diagnosestellung und die Therapie, um eine Chronifizierung des
Rückenschmerzes zu vermeiden. Das Kreuz mit dem Kreuz ist in seiner Behandlung sehr vielfältig und auch in den letzten Jahren in die Diskussion geraten. Hier helfen die von der DGOU und dem BVOU gemeinsam vorgestellten Leitlinien Patienten und Ärzten, die richtige Therapie auszuwählen und die richtige Einordnung der Probleme durchzuführen.

Natürlich gibt es klare Indikationen für Operationen wie Unfallverletzungen, Tumorerkrankungen, rheumatische Instabilitäten, ausgeprägte Verkrümmungen und Infektionen an der Wirbelsäule. Die
große Mehrzahl der Rückenschmerzen ist jedoch unspezifisch und lässt sich durch die oben aufgezeigten konservativen Maßnahmen in kürzerer Zeit wieder so bessern, dass der Alltag wieder gut bewältigt werden kann.
Der immer wieder genannte Bandscheibenvorfall ist keineswegs eine Domäne der operativen Therapie, sondern es ist klar, dass mehr als 90 Prozent aller akuten Bandscheibenvorfälle erfolgreich konservativ behandelt werden können.

Da so viele Patienten von Erkrankungen der Wirbelsäule betroffen sind – spezifisch oder unspezifisch –, ist dieses Thema auf dem DKOU-Kongress 2018 an vielen Stellen präsent. Besonders freuen wir uns, dass die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft (DWG) ein Programm am Mittwoch, dem 24.10.2018 gestaltet, das sich umfangreich mit der Thematik der Wirbelsäulenerkrankungen beschäftigt und damit den DKOU bereichert.
Abschließend bleibt festzustellen: Bei Rückenschmerzen hilft meist eine konservative Behandlung.
Wirbelsäulenoperationen sind sicherlich nicht die Regel, ergänzend sind bisweilen eine multimodale Schmerztherapie und häufiger auch eine Rehabilitationsmaßnahme erforderlich. Das Beste ist, Rückenschmerzen vorzubeugen. Es genügen oft schon einige Minuten tägliches Training zu Hause oder auch im Büro, um vor Rückenschmerzen bewahrt zu bleiben.

Es gilt das gesprochene Wort! Professor Dr. Dr. med. Werner E. Siebert, Kongresspräsident des DKOU 2018, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel
gGmbH und Lehrbeauftragter der Universität Kassel für den Bereich Sportmedizin
(Berlin, Oktober 2018)

Quelle: (DGOU) Pressestelle

Photo by Romina Farias

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