Schlaf ist Medizin – Schlafstörungen ein Risikofaktor

Schlafstörungen

Der kleine Bruder des Todes wird er auch genannt, der Schlaf. Dabei ist er allerdings um einiges liebenswerter und vor allem heilsamer. Denn neben seiner primären Aufgabe, den nach einem langen Tag müden Menschen für den nächsten Tag wieder fit und leistungsfähig zu machen, finden im Schlaf regelmäßig existenziell wichtige biologische Vorgänge statt. Sie alle sind Voraussetzung für eine dauerhaft normale Funktion aller unserer Organsysteme. Schlafstörungen, wenn sie chronisch sind, ein Risikofaktor.

Schlafstörungen behindern Heilungsvorgänge

Wie ein regelmäßiger Kundendienst kann der Schlaf des Nachts schädliche Stoffwechselendprodukte aus dem Gehirn entfernen und bringt viele andere Organsysteme wieder „auf Vordermann“. So ist der Mensch für den nächsten Tag gerüstet. Diese Funktionen sind umso wichtiger, wenn Erkrankungen vorliegen und geheilt werden sollen. Viele Heilungsvorgänge wie z.B. Wundheilung, Heilung von entzündlichen Erkrankungen, aber auch z.B. psychische Heilung können durch ausreichend langen gesunden Schlaf gefördert werden. Umgekehrt können Schlafstörungen und/oder Schlafentzug Heilungsvorgänge behindern oder verzögern.

Schlafstörungen können Ursache von vielfältigen psychischen, neurologischen, aber auch internistischen Krankheitsbildern sein. So sind chronische Schlafstörungen verschiedener Art Risikofaktoren für Bluthochdruck und andere Herzkreislauferkrankungen, erhöhen das Risiko infektiöser Erkrankungen und sogar das Krebsrisiko. In diesem Sinn gilt: „Schlaf ist Medizin!“.
Vom 11.-13. Oktober 2018 findet in Nürnberg die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) statt.

Wie das Gehirn im Schlaf lernt

Dass Schlaf hilft, Erinnerungen zu festigen, ist längst bekannt. Wie genau das funktioniert, haben jetzt Forscher aus Bochum und Bonn untersucht. Auch Dinge, die wir vergessen, sind nicht sofort weg. Dr. Hui Zhang und Prof. Dr. Nikolai Axmacher aus der Bochumer Abteilung für Neuropsychologie beschreiben die Ergebnisse gemeinsam mit Privatdozent Dr. Juergen Fell von der Bonner Klinik für Epileptologie in der Zeitschrift „Nature Communications“.

Lernaufgabe vor Mittagsschlaf

Für den Versuch bekamen die Probandinnen und Probanden eine Reihe von Bildern zu sehen, die sie sich einprägen sollten. Anschließend machten sie einen Mittagsschlaf. Beim Betrachten eines Bildes feuern die Nervenzellen im Gehirn auf eine bestimmte Art und Weise, die sich von Bild zu Bild etwas unterscheidet. Diese Unterschiede in den hochfrequenten Aktivitätsschwankungen – Gamma-Oszillationen genannt – konnten die Forscher messen. Sie analysierten nicht nur die Hirnaktivität während der Lernaufgabe, sondern auch während des Schlafs. Anschließend testeten sie, an welche Bilder sich die Teilnehmer nach dem Schlaf erinnern konnten und an welche nicht.

Gehirn reaktiviert Gedächtnisspuren

Die Gamma-Oszillationen, die typisch für bestimmte Motive waren, traten nicht nur beim Betrachten der Bilder auf, sondern auch während des Schlafs. Das Gehirn reaktivierte die Aktivitätsmuster – und zwar sowohl für Bilder, an die sich die Probanden später erinnerten, als auch für solche, die sie später vergessen hatten. „Die vergessenen Bilder verschwinden also nicht einfach aus dem Gehirn“, folgert Hui Zhang.
Publikation: Zhang Hui, Juergen Fell, Nikolai Axmacher: Electrophysiological mechanisms of human memory consolidation, in: Nature Communications, 2018, DOI: 10.1038/s41467-018-06553-y / Quelle: idw-online.de

Photo by Matheus Vinicius

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