Schöne Haut – welche Rolle spielt die Ernährung?

Haut

Die Haut ist das größte Organ des Menschen und macht etwa 10-15% des Körpergewichts aus. Sie hilft, den Körper vor schädlichen Einflüssen wie UV-Strahlung, Umweltverschmutzung und Infektionen zu schützen. Und dabei erneuert sie sich ständig selbst, die äußere Schicht, die Epidermis einmal im Monat.

Haut und Nährstoffe

Deshalb benötigt sie stetig Energie und Nahrung. Die Biochemikerin Margreet Vissers, Leiterin des „Centre for Free Radical Research at the University of Otago“ in Christchurch, Neuseeland weiß, dass die Haut von innen mit Nährstoffen wie Vitamin C versorgt werden muss.

Nährstoffe, die von außen auf die Haut gebracht werden, können nur relativ selten in die tieferen Hautschichten eindringen. Essenzielle Substanzen wie Vitamine, Zuckermoleküle, Mineralien und Peptide sind oftmals zu groß und wasserlöslich. Sie dringen nicht bis in die entsprechenden Hautschichten vor. Eine stetig wachsende Anzahl von Studienergebnissen lässt vermuten, dass Ernährung der Schlüssel zur Hautgesundheit ist. Dennoch sind die praktischen Details noch unklar.

Die beste Empfehlung für eine hautgesunde Ernährung ist darum zugleich eine allgemeine: viel verschiedene Obstsorten, Gemüse und andere nicht-verarbeitete Speisen zu konsumieren. Nun müssen Forscher ihre Erkenntnisse in konkrete Ratschläge überführen, welche Nährstoffe in welchen Mengen und Kombinationen die Hautgesundheit gewährleisten. Bisher ist es ein schwieriges Unterfangen.

Haut verlangt nach Vitamin C

Vissers untersucht seit über einem Jahrzehnt die Rolle von Vitamin C bei der Immunfunktion, der Stimmung, der psychischen Gesundheit und sogar bei Krebs. Nun beginnt sie, die Zusammenhänge zwischen dem Vitamin-C-Verbrauch und den im Blutstrom und in der Haut festgestellten Mengen zu untersuchen.

“Die Haut ist sehr erpicht darauf, Vitamin C aufzunehmen“, sagt Vissers. Sie vergleicht es mit einem wichtigen Glied in einer langen Kette.

„Es beeinflusst so viele Prozesse, dass ohne es viele Dinge ins Wanken geraten.“ Vitamin C ist zum Schutz vor Sonnenschäden in der Epidermis notwendig, wo es die durch UV-Strahlen erzeugten „Freie Radikale“ aufnimmt. Es kann auch an der Reifung von Keratinozyten beteiligt sein, den Zellen, aus denen die Epidermis besteht.

In der dicken inneren Dermis wird Vitamin C benötigt, um Kollagen zu produzieren und aufrechtzuerhalten, das schwammartige Protein, das der Haut die zugrunde liegende Struktur und das jugendliche Aussehen verleiht. Es erhöht auch die Proliferation und Migration von Fibroblasten, den für die Kollagenproduktion verantwortlichen Zellen, reguliert Signalwege, die mit Entzündungen zusammenhängen und unterstützt die Wundheilung.

Andere Vitamine und Mineralstoffe

Aber auch die Vitamine D and E sind für die Haut unentbehrlich. Karotinoide wie Beta-Carotin, Lutein und Lycopin sind Pflanzensubstanzen, die in Soja und in hohen Konzentrationen in Kohl, Spinat Broccoli, Rosenkohl, aber auch in Schokolade und grünem Tee vorkommen. Sie besitzen antioxidante Eigenschaften, schützen die Haut vor „Freie Radikale“.

Viele Studien haben bereits darauf abgezielt, herauszufinden, wie die Haut jugendlich, gesund und faltenlos zu halten ist.  

Dies gilt auch für Vitamin D. Ein Vitamin, welches durch den Kontakt mit Sonnenlicht im Körper gebildet wird. Forscher wissen seit langem, dass ein wenig Sonneneinstrahlung aus verschiedenen Gründen für den Körper gesund ist, obwohl sich zu viel als schädlich erweisen kann. Nun stellen sie jedoch fest, dass mäßige Sonneneinstrahlung vor dem Schaden schützen kann, den eine übermäßige Einwirkung verursacht.

„Sonnenlicht und Vitamin D könnten für Melanom-Ergebnisse sehr wichtig sein“, sagt Michael Kimlin, Krebsforscher an der Universität der Sunshine Coast im australischen Brisbane.

Hautkrebsrisiko mit Vitamin D senken?

Für Menschen mit einem durchschnittlichen Hautkrebsrisiko ändern diese Erkenntnisse nicht den allgemeinen Rat, Sonnenschutzmittel zu tragen und nach draußen zu gehen. Menschen tragen selten genug Sonnenschutzmittel auf, um die Fähigkeit des Körpers zur Herstellung von Vitamin D zu beeinträchtigen. „Immer wieder zeigen unsere Studien in Australien, dass die Personen, die am häufigsten Sonnenschutzittel auftragen, tatsächlich die höchsten Vitamin-D-Spiegel haben“, weil sie dazu neigen, aktiver zu sein und mehr Zeit draußen verbringen, sagt er.

Für diejenigen mit einem hohen Melanomrisiko oder Menschen, die bereits Krebs entwickelt haben, deutet diese Forschungslinie darauf hin, dass eine orale Vitamin-D-Supplementierung eine gute Strategie sein könnte. Eine randomisierte Studie zur Vitamin-D-Supplementierung bei Personen mit hohem Risiko könnte sich lohnen, sagt Kimlin.

Mehrere große randomisierte Studien sind bereits im Gange, um zu untersuchen, ob diese Strategie dazu beitragen kann, andere Krebsformen zu verhindern. Vorläufige Ergebnisse legen jedoch nahe, dass Vitamin-D-Spiegel zwar in epidemiologischen Studien mit dem Krebsschutz in Verbindung gebracht wurden, Nahrungsergänzungsmittel jedoch nur eine geringe Wirkung haben könnten.

Vitamin-D-Präparate sind so allgegenwärtig, dass es für Forscher schwierig ist, ihren Antikrebs-Effekt abzuschätzen. Und Unterschiede in der individuellen Biologie können Muster verdecken. Kimlins laufende Forschung zielt darauf ab festzustellen, wie Unterschiede im Vitamin D-Rezeptor-Gen das Melanomrisiko beeinflussen.

Unabhängig davon, ob Forscher über Falten oder Melanome sprechen, der Knackpunkt ist der gleiche: Der Sprung von allgemeinen Ratschlägen für einen gesunden Lebensstil zu spezifischen Empfehlungen für einen bestimmten Nährstoff bleibt eine Herausforderung und nicht eine, die bald gelöst werden könnte. – IMK-

Quelle: Nature 563, S94-S95 (2018) doi: 10.1038/d41586-018-07433-7

Photo by Ella Olsson

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