Seeing is believing

Die Bilder eines Terroranschlages können live verfolgt werden und gehen innerhalb von Sekunden um die Welt. Im UN-Sicherheitsrat wird ein Wandteppich mit Guernica-Motiv verhüllt, um bald darauf ein Satellitenfoto als zentrales Argument in der Legitimierung eines Krieges zu präsentieren. Bilder einer Exekution werden live ins Weiße Haus übertragen, doch kein Foto gelangt an die Öffentlichkeit.
Rasant und unmittelbar verbreiten sich Bilder; sie erscheinen als einzige Zeugnisse, die uns ein Ereignis glaubhaft und erfahrbar machen können. Seeing is believing – und dennoch übersteigen Bilder unsere Vorstellungskraft sowie unseren Glauben an die Wirklichkeit. Die Erkenntnis, dass Bilder nicht einfach Repräsentanten außermedialer Wirklichkeit sind, sondern eigene Realitäten erschaffen, ist mittlerweile integraler Bestandteil zeitgenössischer
Bildkompetenz. Die visuelle Gegenwärtigkeit politischer Ereignisse, die Politisierung von Bildern sowie die unkontrollierbare Geschwindigkeit ihrer Verbreitung haben in der gegenwärtigen Kunst zu einem konzentrierten Nachdenken über Macht und Status des Bildes geführt.

Die Gruppenausstellung Seeing is believing zeigt Arbeiten, die diesen medialen Bildern dennoch Bilder entgegensetzen. Im Zentrum der Ausstellung in den KW Institute for Contemporary Art in Berlin steht die künstlerische Reflexion über das Bild selbst, über die Medien und Kontexte, die es hervorbringen, und den Umgang mit dem Bild in Politik und Gesellschaft. Dabei ist die doppelte Repräsentation häufig die konzeptuelle Voraussetzung der Werke – eine Genese von Bildern, die wiederum auf bereits existierende Bilder verweisen. Vorherrschende Wahrnehmungs- und Repräsentationsregime sowie die dem Bild eingeschriebene symbolische oder manipulative Kraft werden in den Arbeiten reflektiert, überhöht, gänzlich negiert oder ad absurdum geführt: Ein Foto, das zur Legitimation eines Krieges diente, nimmt reale Formen an (Iñigo Manglano-Ovalle). Ein Nachrichtensender
zeigt Bilder eines ungezwungenen und scherzenden amerikanischen Präsidenten unmittelbar vor seiner weltweit ausgestrahlten Kriegserklärung (Gianni Motti). Die Kamera tastet sich an den Wänden einer Wohnung entlang, im Hintergrund erklingt Madonna, jenseits dieses geschlossenen Raums ist Krieg (Nadim Asfar). Der letzte Film vor
Verschleppung und Verschwinden eines Menschen wird zum abstrakten Raum der Vorstellung von Krieg und Leben (Joana Hadjithomas und Khalil Joreige).

Mit freundlicher Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds, Berlin.
Öffnungszeiten: Di – So 12 – 19 Uhr, Do 12 – 21 Uhr
Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro
KW Institute for Contemporary Art
Auguststr. 69
D-10117 Berlin
www.kw-berlin.de

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