Sommerzeit, Winterzeit – das sollte man wissen

Sommerzeit

Zwei Mal im Jahr bringen wir unseren Biorhythmus durch die Zeitumstellung unnötig durcheinander. Die Mehrheit der Europäer befürwortet deren Abschaffung – und bevorzugt dabei die Sommerzeit. Die Stiftung Warentest legt nun aber dar, dass die Winterzeit unserer inneren Uhr eher entspricht.

Die Sommerzeit ist kein natürliches Ereignis, sondern ein Beschluss, der unsere innere Uhr immer wieder aus dem Takt bringt. „Ende Oktober bekommen wir die gestohlene Stunde zurück. Wir werden wieder normal“, sagt Till Roenneberg, Professor am Institut für Medizinische Psychologie der Universität München. Die Winter-, also die natürliche Zeit, tut uns gut. Sie entspricht unserem Biorhythmus und beeinflusst unseren Schlaf, unseren Herzschlag und unsere Stimmung.

Dennoch ist die Sommerzeit populär. Mit ihren längeren Abenden bietet sie einen starken psychologischen Effekt. 72 Prozent glauben, die Sommerzeit beeinflusse sie nicht. Allen gefühlten Wahrnehmungen zum Trotz: Weltweit belegen viele Studien ungesunde Folgen durch die Sommerzeit – von metabolischen Erkrankungen bis zu psychischen Problemen. „Die Entscheidung, die Uhren umzustellen, greift in das biologische Zeitsystem ein“, so Professor Roenneberg, „die Mehrheit startet müde in den Tag und lebt gegen ihre innere Uhr“.

Der Artikel „Zeitumstellung“ findet sich in der November-Ausgabe der Zeitschrift test und online unter www.test.de/zeitumstellung.

Zu diesem Thema ist es auch interessant, die Meinung der Schlafmedizin zu hören. Dazu gehört auch die Rolle der Chronobiologie, der inneren Uhr, die den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Auszug aus einem Interview mit dem Experten Dr. Hein:

Schaffen Sie als Experten es, im Einklang mit Ihren inneren Uhren zu leben?
Dr. Hein: Leider nein. Auch wir als Fachleute sind wie jeder andere an soziale Abläufe, Verpflichtungen und Zeiten gebunden. Da kann man schwer gegensteuern – auch wenn man es besser wüsste.

Welche aktuellen Erkenntnisse der Chronobiologie sollten sich gesellschaftlich manifestieren?
Dr. Hein: Zu aller erst, dass man das Licht dosierter steuert. Wir leben mit zu viel blauem Licht, was dem natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus entgegenwirkt. Wir müssen es schaffen, günstigere Lichtverhältnisse in unsere Leben zu bekommen, d.h. mehr Licht am Morgen, Beleuchtungskonzepte in den Innenräumen, die dem Tageslicht ähnlicher sind und vor allem weniger Licht mit hohem Blauanteil am Abend und Nachts. Und zudem müssen wir gesellschaftlich davon abkommen im 24/7-Rhythmus zu leben. Das Gefühl ständig „online“ sein zu müssen, lässt uns nicht zur Ruhe und somit auch nicht in den Schlaf kommen. Aber ich bemerke, dass das Bewusstsein sich auch hier ändert. Ich denke, dass wir uns in die richtige Richtung entwickeln.

Sommerzeit-Normalzeit-Evidenz. Dazu gibt es einen Workshop auf der Jahrestagung. Worum wird es dort gehen?
Dr. Hein: Hier dürfen wir uns auf eine kontroverse Pro-Contra-Debatte freuen zur schwierigen Frage, ob eine dauerhafte Sommerzeit eingeführt werden sollte oder nicht. Aus chronobiologischer Sicht wäre eine dauerhafte Winterzeit am besten, aus sozialer Sicht der Sommerzeit/Winterzeit-Wechsel, so wie wir ihn jetzt haben. Einen Wechsel von Woche und Wochenende haben wir ständig und kommen damit klar. Die Zeitumstellung ist zwar für Einige unangenehm, aber damit ließe sich leben.

Vom 7. – 9. November 2019 findet die 27. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) in Hamburg statt.

http://www.dgsm-kongress.de

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