Studien und Tipps zum Thema Medikamente

Tausende Tabletten werden in Deutschland täglich geteilt, meistens um die Einzeldosis zu verringern. Oder damit ganz junge oder alte Patienten sie besser schlucken können. Aber Vorsicht: „Manche Tabletten dürfen nicht geteilt werden, da sie sonst nicht mehr richtig wirken“, erklärt Dr. Matthias Wilken, Apotheker beim Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI). „Das gilt insbesondere für magensaftresistente Tabletten oder solche mit verzögerter Wirkung. Fragen Sie daher immer Ihren Arzt oder Apotheker, ob Sie Ihre Tablette teilen dürfen.“ Unser Experte hat fünf Tipps für Sie zusammengestellt, damit beim Teilen nichts schiefgeht:

Tipp 1: Kerbe ist nicht gleich Kerbe

Es gibt neben Bruchrillen auch sogenannte Schmuckrillen. Aus diesem Grund dürfen Sie nicht jede Tablette einfach teilen, wenn sie eine Einkerbung aufweist. Im Zweifel kann Ihr Apotheker weiterhelfen.

Tipp 2: Nicht lange liegen lassen

Wenn eine Tablette geteilt wird, sollte dies erst kurz vor der Einnahme geschehen, da äußere Einflüsse die Wirksamkeit der Tablette beeinflussen können. Das gilt auch für Tabletten die ausdrücklich geteilt werden dürfen. Geteilte Tabletten sollten nicht lange aufbewahrt werden.

Tipp 3: Tablettenteiler nutzen

Gerade für alte und kranke Menschen kann es zu schwer sein, eine Tablette von Hand gleichmäßig zu teilen. Nutzen Sie daher besser einen speziellen Tablettenteiler, um Ihre Tablette möglichst genau und mit wenig Kraftaufwand in zwei gleichgroße Teile zu teilen.

Tipp 4: Der Therapie treu bleiben

Auch wenn es manchmal schwerfällt eine Tablette zu teilen: Bleiben Sie Ihrer Therapie treu. Lassen Sie sich von jemandem helfen, bevor Sie von der ärztlich verschriebenen Dosis abweichen oder die Therapie unterbrechen.

Tipp 5: Beim Arzt nachfragen

Wenn Sie Probleme mit dem Zerteilen von Tabletten haben, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Dieser kann Ihnen gegebenenfalls Tabletten mit niedrigerer Dosis verschreiben, die dann nicht mehr geteilt werden müssen.

HINWEIS: Die hier genannten allgemeinen Ratschläge bieten keine Grundlage zur medizinischen Selbstdiagnose oder -behandlung. Sie können keinen Arztbesuch ersetzen.

Quelle / Text und Titelfoto: „obs/BPI Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie/Shutterstock / adriaticfoto“

Frauen brauchen andere Medikamente als Männer

Männer und Frauen sind unterschiedlich, das gilt auch im Gesundheitsbereich. Genauer, sie haben eine ungleiche Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen.

„Wir wissen, dass etwa entzündliche Erkrankungen wie Asthma, Psoriasis oder Rheumatoide Arthritis bei Frauen sehr viel häufiger vorkommen als bei Männern“, sagt Prof. Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Pharmazeut und sein Team haben jetzt gemeinsam mit Fachkollegen aus Italien, Dänemark und Schweden eine wesentliche Ursache für diese Unterschiede auf molekularer Ebene aufgeklärt.

Dazu haben die Forscher in unterschiedlichen Tiermodellen, aber auch an Immunzellen aus dem Blut von männlichen und weiblichen Versuchspersonen, Entzündungsprozesse detailliert analysiert und verglichen. Möglich machte das ein eigens am Lehrstuhl von Prof. Werz entwickeltes Zellsystem, mit dem sich die ablaufenden Prozesse zeitaufgelöst und hochpräzise im Mikroskop beobachten lassen. „Wir haben die Bildung von entzündungsfördernden Substanzen, wie Leukotrienen und Prostaglandinen, untersucht und geschaut, ob sich die Wirkung von Entzündungshemmern in männlichen und weiblichen Zellen unterscheidet“, erläutert Werz.

Testosteron kann vor Entzündungserkrankungen schützen

Erwartungsgemäß war die Wirkung der untersuchten Substanzen in den weiblichen Zellproben deutlich größer als in den männlichen – schließlich ist bei ihnen das Entzündungsgeschehen insgesamt deutlich ausgeprägter. „Diese Unterschiede lassen sich aber durch die Gabe von Testosteron komplett ausgleichen“, sagt Dr. Simona Pace, die Erstautorin der beiden Publikationen. Dass Testosteron vor Entzündungserkrankungen schützen kann, haben verschiedene Studien – auch des Jenaer Teams um Prof. Werz – bereits früher belegt. „Jetzt konnten wir aber den molekularen Wirkmechanismus aufklären und zeigen, dass dies auch die therapeutische Wirkung von Arzneistoffen beeinflusst“, unterstreicht die Postdoktorandin vom Lehrstuhl für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Uni Jena.

Mit ihren Studien liefern die Jenaer Forscher einmal mehr konkrete Anhaltspunkte für die Notwendigkeit einer geschlechtsspezifischen Medizin.

„Entzündungshemmende Wirkstoffe, die für Frauen geeignet wären, zeigen bei Männern unter Umständen nur eine geringe Wirkung und umgekehrt“, bringt es Prof. Werz auf den Punkt. Der Griff in den Medizinschrank könne also zu ganz unterschiedlichem Behandlungserfolg führen. Eine Tatsache, der in der Entwicklung neuer Medikamente – insbesondere zur Behandlung von Entzündungserkrankungen – künftig deutlich stärker Rechnung getragen werden müsse und die künftig vielleicht sogar in getrennte Medizinschränke für „sie“ und „ihn“ münden könnte.

Veröffentlichungen der Ergebnisse im „Journal of Clinical Investigation“ und „Scientific Reports“ (DOI: 10.1172/JCI92885 und DOI: 10.1038/s41598-017-03696-8).

 

 

Kommentieren Sie diesen Artikel