UN-Klimakonferenz beendet – wie ist das Klimaschutzabkommen zu bewerten?

Wie bewerten die Umweltschutzverbände Deutschlands und die Träger des Deutschen Umweltpreises 2015 die Ergebnisse des Klimaschutzabkommens?

WWF: Die COP21 hat den Stresstest bestanden. Nach harten letzten Verhandlungstagen und -nächten steht das erste für alle Staaten verbindliche Weltklimaabkommen, das auf das 1997 verabschiedete Kyoto-Protokoll folgen soll. Den Verhandlern gelang damit ein Meisterstück der Klimadiplomatie.

„Der COP-Präsident Laurent Fabius hat den Vertrag über die Ziellinie gebracht. Paris hat geliefert. Es wird erstmals eine Architektur aufgesetzt bei der sich alle Staaten gemeinsamen, transparenten Zielen und Regeln unterwerfen, um den Klimawandel zu bekämpfen. Der internationale Klimaschutz hat einen großen Sprung nach vorn gemacht“, kommentiert Regine Günther, Generaldirektorin Politik und Klimaschutz beim WWF Deutschland.

Das Abkommen sende auch ein klares Zeichen, dass Waldschutz unerlässlich sei, um die globale Temperaturerwärmung unter der kritischen 1,5 Grad-Schwelle zu halten. Alle Länder sind aufgefordert, sofortige Maßnahmen zum Waldschutz und zum nachhaltigen Landmanagement einzuleiten. Der Landsektor ist die zweitgrößte Emissionsquelle nach dem Energiesektor.
„Bitter ist,“ so Günther, „dass die Emissionen des internationalen Luft- und Schiffsverkehrs im Abkommen nicht einbezogen sind. Die Lobby hat wieder einmal ganze Arbeit geleistet.

Entwicklungsländer sollen in ihrem Bemühen um Klimaschutz, Anpassung und bei der Bewältigung der Klimaschäden verpflichtend von Industrieländern unterstützt werden. Weniger positiv sei dabei, dass die Höhe der Zusagen bisher aber bei weitem nicht ausreichend scheinen, um diese Mammutaufgabe zu bewältigen. Dies müsse nach Paris dringend nachgebessert werden.

Der BUND: Das Paris-Abkommen zum Klimaschutz soll in den nächsten Stunden von der internationalen Staatengemeinschaft beschlossen werden, jedoch bringt es nach Auffassung des Vorsitzenden des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, die Welt bei der Abwendung der drohenden Klimakatastrophe nur wenig voran.

„Das Paris-Abkommen befreit die Welt nicht von ihrer Abhängigkeit von Kohle, Öl und Gas. Es liefert keine angemessenen Antworten auf die Klimakrise. Trotzdem: Nach Paris hat die Welt ein Instrument, das den Klimaschutz stärkt. Positiv ist, dass im Vertrag 1,5 Grad als maximal hinnehmbare Erderwärmung benannt werden. Dafür haben sich viele vom Klimawandel bedrohte Inselstaaten, aber auch die Bundesregierung und der BUND eingesetzt“, sagte Weiger.

„Die Mehrheit der Staaten befindet sich noch nicht auf dem Weg in eine klimafreundliche Zukunft. Die Diskrepanz zwischen dem in Paris vereinbarten Temperaturziel und der tatsächlichen Klimapolitik der Staaten ist riesig. Weder die EU, noch die USA oder die ölexportierenden Länder haben in Paris weitergehende Zusagen zur Verringerung ihrer CO2-Emissionen gemacht“, kritisierte Weiger.

„Paris ruft nach einem Neustart in die Ära der erneuerbaren Energien. Das Abkommen allein bietet keine Garantie zur Begrenzung der Erderwärmung, aber es motiviert zu mehr Tempo beim Klimaschutz“, sagte der BUND-Vorsitzende.

Träger des Deutschen Umweltpreises 2015 bewerten Ausgang der Klimakonferenz unterschiedlich

Die Träger des Deutschen Umweltpreises 2015 der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Prof. Dr. Mojib Latif und Prof. Dr. Johan Rockström, bewerten das Klimaabkommen von Paris unterschiedlich. Nach Meinung Latifs bleiben „viele Fragen offen“.

Rockström sieht den Vertrag hingegen als „bedeutenden Durchbruch“ für den Klimaschutz. Nach Abschluss der Welt-Klimakonferenz der Vereinten Nationen (United Nations, UN) gestern Abend sieht Latif keinen wesentlichen Fortschritt zu der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen von Rio de Janeiro aus 1992.

„Man konnte sich gestern in Paris lediglich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen“, meint Latif. Rockström bewertet die Verhandlungsergebnisse als „einen großen Schritt nach vorne, der mit wissenschaftlichen Erkenntnissen einhergeht und eine Grundlage dafür bildet, die Welt in die richtige Richtung anzustoßen.“

Gerade weil einige nationale Selbstverpflichtungen im Ergebnis noch eine höhere Erderwärmung als zwei Grad Celsius mit sich brächten, fordert der Konferenzteilnehmer, dass „eine Überprüfung bereits in 2016 stattfinden muss.“ Auch für DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann ist es entscheidend, dass „Worten nun Taten folgen.“

 

 

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