Weltfrauentag: Sexuelle Belästigung weltweit Topthema

Anlässlich des internationalen Frauentags beleuchtet eine aktuelle globale Studie die Einstellungen der Menschen zu einer Reihe von Gleichstellungsthemen. Die repräsentative Online-Studie, die in 27 Ländern von Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos in Zusammenarbeit mit „International Women´s Day“ durchgeführt wurde, identifizierte global fünf Topthemen, mit denen Frauen und Mädchen konfrontiert werden: Sexuelle Belästigung (32%), sexuelle Gewalt (28%), körperliche Gewalt (21%), häusliche Gewalt (20%) und ungleiche Bezahlung (19%).

Ungleiche Bezahlung – Topthema in Deutschland

Jeder dritte Deutsche (34%) bewertet die ungleiche Bezahlung als größtes Problem mit dem sich Frauen in Deutschland auseinandersetzen müssen. Frauen (37%) und Männer (32%) sind sich da recht einig. Nur in Schweden wird dem Thema noch größere Bedeutung zugemessen, 36 Prozent und deutlich mehr Männer als Frauen (43% vs. 28%) sehen bezüglich der Gehälter eine Schieflage. Bei Betrachtung aller Länder steht gleicher Verdienst an fünfter Stelle. In der Türkei sehen dies lediglich 2 Prozent der Befragten als ein Problem.

Interessant auch die Schätzung der Befragten, wie viel Prozent der Geschäftsführer (CEO) der 500 größten Unternehmen der Welt Frauen sind: die Deutschen schätzen, es sind 15 Prozent und liegen ziemlich daneben. Der tatsächliche Wert liegt bei 3 Prozent. Süd-Korea (9%) liegt mit der Schätzung am nächsten am Realwert, während Malaysia, Mexiko und Peru mit jeweils 29 Prozent am weitesten daneben schätzten.

Sexuelle Belästigung auch in Deutschland weiter großes Thema

Das durch medienwirksame Aktionen wie die #metoo Kampagne enttabuisierte Thema rangiert weltweit auf Platz 1 der Probleme, denen sich Frauen und Mädchen gegenüber sehen. Auch in Deutschland kommt diesem Thema mit Platz 2 große Bedeutung zu. Jeder fünfte Deutsche (22%) sieht sexuelle Belästigung als ein schwerwiegendes Problem, unter den Frauen sind es 19, bei den Männern 24 Prozent. Jeder zweite weltweit glaubt zudem, Berichte über sexuelle Belästigungen werden grundsätzlich ignoriert, in Deutschland teilen 38 Prozent diese Meinung.

Die Befragten wurden auch gebeten, zu schätzen, wie viele Frauen in ihrem Land seit ihrem 15. Lebensjahr sexuell belästigt wurden. In Deutschland liegt der vermutete Anteil bei 41 Prozent. Nach offiziellen Statistiken haben jedoch schon 60 Prozent der Frauen entsprechende Erfahrungen machen müssen. Ähnlich starke Diskrepanzen gibt es in Frankreich und Schweden, wohingegen in Polen und den USA sehr genau geschätzt wird.

Sexuelle Gewalt wird in Deutschland überschätzt

Sexuelle Gewalt wird in Deutschland als drittwichtigstes Problem für Frauen angesehen. 19 Prozent der Bevölkerung sehen hier ein Thema, wobei die Männer sogar etwas stärker vertreten sind als die Frauen (21% vs. 16%).

Bezogen auf sexuelle oder physische Gewalt durch Ehepartner oder ehemalige Partner überschätzen die Deutschen den Anteil der betroffenen Frauen um 6 Prozent. Offizielle Statistiken nennen einen Wert von 22 Prozent, während der Durchschnitt der Befragten auf 28 Prozent tippte. Allerdings wird dieser Anteil in den meisten anderen Ländern noch deutlich stärker überschätzt, nie unterschätzt. Im internationalen Vergleich steht sexuelle Gewalt mit 28 Prozent an zweiter Stelle. In Saudi-Arabien scheint man bei diesem Thema kein Problem für Frauen zu sehen, nur 7 Prozent geben es an. Anders als in Peru, wo 67 Prozent der Befragten sexuelle Gewalt für ein Problem in ihrem Land halten.

Gleichberechtigung in 50 Jahren?

Bei der Frage, wann Frauen und Männer in Bereichen der Wirtschaft, Gesundheit, Bildung und Politik weltweit gleichberechtigt sein werden, schätzen die Deutschen, dass dafür noch 50 Jahre benötigt werden. Die Prognose der Forschung besagt allerdings, dass dies weltweit erst in 217 Jahren der Fall sein wird. Befragte aus allen Ländern unterschätzen die benötigte Dauer für die Gleichstellung deutlich. Am dichtesten liegt noch Großbritannien mit einer Schätzung von 100 Jahren an der Prognose der Wissenschaft, Saudi-Arabien liegt mit einer Angabe von 10 Jahren am weitesten daneben. Entsprechend glauben 43 Prozent der Deutschen, dass die ökonomische Gleichstellung von Mann und Frau noch zu ihren Lebzeiten erreicht wird. In Japan ist man hier mit 25 Prozent am wenigsten optimistisch, während zwei Drittel der Peruaner (66%) daran glauben.

Steckbrief:

Diese Ergebnisse stammen aus der Studie „Women´s Day“ die Ipsos in Kooperation mit „International Women´s Day“ zwischen dem 2. Januar und 9. Februar 2018 unter 19.428 Befragten in 27 Ländern über das Ipsos Online Panel durchgeführt wurde. Teilnehmende Länder waren Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Peru, Polen, Russland, Saudi-Arabien, Serbien, Südafrika, Südkorea, Spanien, Schweden, Türkei, Ungarn und die USA.

In Deutschland, Australien, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Italien, Japan, Spanien, Großbritannien und den USA wurden ca. 1.000 Personen im Alter von 16-64 bzw. 18-64 Jahren befragt. In den restlichen Ländern wurden jeweils rund 500 Personen zwischen 16 und 64 Jahren befragt. Die Daten werden gewichtet, um dem Profil der Bevölkerung zu entsprechen. In 16 der 27 untersuchten Ländern werden bevölkerungsrepräsentative Stichproben generiert. Die anderen Ländern, namentlich Brasilien, Chile, China, Indien, Malaysia, Mexiko, Peru, Russland, Saudi Arabien, Südafrika und die Türkei generieren eine nationale Stichprobe, die eher die etwas wohlhabendere Bevölkerung mit Online-Zugang umfasst, eine lebendige soziale Gruppe, die eine bedeutende und aufstrebende Mittelklasse repräsentiert.

Ipsos ist ein unabhängiges und innovatives Markt- und Meinungsforschungsinstitut.

51 % unseres Landes sind weiblich
Der größere Teil der Bevölkerung unseres Landes ist übrigens weiblich. Über die Hälfte der insgesamt 82,5 Millionen Menschen, die Ende 2016 in Deutschland lebten, waren Mädchen und Frauen (51% beziehungsweise 41,8 Millionen). Das Geschlechterverhältnis hat sich in den letzten Jahren immer mehr angeglichen, teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März weiter mit. Während 1970 zum Teil kriegsbedingt 1 000 Männern noch 1 098 Frauen gegenüberstanden, waren es Ende 2016 nur noch 1028 Frauen.

Anders verlief die Entwicklung bei der in Deutschland lebenden ausländischen Bevölkerung. So hatte 1970 der Frauenanteil insbesondere bedingt durch den Zuzug von männlichen Gastarbeitern lediglich 38 % betragen. Das Verhältnis hatte sich bis 2011 weitgehend ausgeglichen. Seitdem steigt allerdings die Zahl der ausländischen Frauen langsamer an als die Zahl der ausländischen Männer und das Verhältnis verschiebt sich wieder zugunsten der Männer. So waren Ende 2016 rund 47 % der rund 9,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Deutschlands mit ausländischer Staatsangehörigkeit weiblich (4,3 Millionen). Im Jahr 2011 hatten Frauen noch knapp 50 % der 6,3 Millionen ausländischen Einwohnerinnen und Einwohner gestellt.

Im Jahr 2016 waren rund 17,5 Millionen Menschen in Deutschland 65 Jahre oder älter, davon waren 56,4 % Frauen (9,9 Millionen). Die Aussage, dass mehr 65-Jährige und Ältere als 20-Jährige und Jüngere in Deutschland leben, trifft vor allem auf die Frauen zu: Auf 6,9 Millionen Mädchen und Frauen unter 20 Jahren kamen 9,9 Millionen Frauen über 65 Jahre. Demgegenüber kamen auf 7,4 Millionen Jungen und Männer unter 20 Jahre nur 7,6 Millionen Männer über 65.

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