Weltgesundheitstag 2016 – Diabetes im Fokus

In Europa leiden 60 Millionen Menschen an Diabetes, und in allen Altersgruppen ist die Tendenz steigend. Grund dafür ist die zunehmende Anzahl von Menschen, die übergewichtig und fettleibig sind, sich ungesund ernähren, kaum bewegen und in sozio-ökonomisch prekären Verhältnissen leben.

Der Welt-Gesundheitstag steht in diesem Jahr im Zeichen dieser Erkrankung, ihrer Prävention und Behandlung. Die meisten Menschen kennen den Begriff Diabetes, haben vielleicht Angehörige, die davon betroffen sind, aber was genau ist Diabetes?

Diabetes gehört zu den chronischen Erkrankungen, sie ist aber vermeidbar. Diabetes führt häufig zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Blindheit, Nierenerkrankungen oder zum Verlust von Gliedmaßen. Sie kann sogar lebensbedrohlich werden.

Der Grund für die Erkrankung kann entweder eine zu geringe Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse sein oder der Körper nutzt Insulin nicht wirksam. Insulin ist ein Hormon, das den Blutzucker reguliert und damit unserem Körper hilft, ausreichend Energie zu erhalten.

Es gibt zwei Hauptformen der Diabetes – Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2

Wer unter Diabetes Typ 1 leidet, kann nicht genügend Insulin nutzen, das der Körper bereitstellt. Es werden darum Insulin-Injektionen benötigt, um zu überleben. Diabetes Typ 2 – die Form, die mittlerweile 90 % der Fälle ausmacht, ist gekennzeichnet dadurch, dass Insulin zwar produziert wird, doch entweder nicht in ausreichendem Umfang, oder das Hormon kann nicht richtig vom Körper genutzt werden. Typ 2 Diabetes steht in einem Zusammenhang mit Übergewicht, ungesunder Ernährung und mangelnder körperlicher Bewegung. – IMK-

joggen

Sport senkt den Blutzuckergehalt deutlich, deswegen ist er ein präventives Mittel, um Diabetes zu vermeiden.

Hier ein Interview mit Prof. Dr. Detlev Ganten zum Weltgesundheitstag 2016

Prof. Dr. Detlev Ganten ist Präsident des World Health Summit, dem weltweit führenden strategischen Forum für Gesundheitsfragen. Außerdem ist er Facharzt für Pharmakologie und Experte für Bluthochdruck, Evolutionäre und Molekulare Medizin.

1. Warum verbreitet sich Diabetes weltweit so sehr – leben wir so ungesund?

In der Hauptsache: ja. Wir ernähren uns seit Jahrzehnten immer schlechter:
Industrienahrung mit zu viel Zucker, Salz und Fett bestimmt das Bild
anstatt natürlicher, gesunder Kost z.B. direkt vom Bauern oder vom
Wochenmarkt. Wir bereiten unser Essen viel zu oft nicht mehr selber zu,
sondern verlassen uns zu sehr auf Industrienahrung, die produziert wird wie
ein Fernseher oder Computer – mit strenger Kostenoptimierung, Kundenanalyse
und viel Marketing.

Dass wir als Konsumenten so darauf anspringen, ist evolutionär bestimmt.
In der Steinzeit waren Zucker, Fett und Salz ein Mangel und hochbegehrt als
Energielieferanten bei schwerer körperlicher Arbeit. Die heutigen Bilder
von Pizza, Chips und Softdrinks versprechen hohe Energie- und
Elektrolytdichte und erzeugen Appetit. Die guten Vorsätze werden
vergessen. Womit wir schon beim nächsten Problem sind.

2. Nämlich?

Die meisten Menschen haben diese guten Vorsätze gar nicht, weil sie nicht
ausreichend über den Zusammenhang von gesunder Ernährung, Bewegung und
hohem Blutzucker Bescheid wissen. Das gilt vor allem für Kinder, die
diesen Zusammenhang noch nicht verstehen. Wenn dann Familie, Schule und das
soziale Umfeld nicht helfen oder helfen können, entsteht schon im frühen
Alter ein Teufelskreis. Diesen ungesunden Lebensstil exportieren wir auch
noch weltweit.

3. Was kann man denn machen, um sich vor Diabetes zu schützen?

Gesundes Essen und viel Bewegung! In Deutschland leben schon heute über
fünf Millionen Menschen mit Diabetes. Das ist zu viel! Sport senkt den
Blutzuckergehalt deutlich. Dazu eine ausgewogene Ernährung wie zum
Beispiel die mediterrane Küche mit vielen ungesättigten Fettsäuren und
pflanzlichen Ölen, sowie frischem Obst und Gemüse. Schon vier Wochen
gesunde Ernährung verbessern die Wirkung des Insulins, während vier
Wochen ungesunde Ernährung diese messbar verschlechtern. Selbst nach einem
Herzinfarkt zeigt eine Ernährungsumstellung eine deutliche Reduktion von
Herzinfarkten und plötzlichem Herztod. Zu spät ist es nie.

(Quelle: World Health Summit)

Der World Health Summit findet vom 9.-11. Oktober 2016 im Auswärtigen Amt
in Berlin statt. Er steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin
Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident François Hollande und dem
Präsidenten der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker. Der WHS gilt
als das wichtigste strategische Forum für weltweite Gesundheitsfragen.

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