Wer steckt hinter der Maske? Gesichtserkennung zu Coronazeiten

Maske

Maskeraden und Verkleidungen, besonders in Kinder- und Jugendtagen lieben wir es, jemand anderes zu sein. Dahinter steckt zeitlebens der Wunsch, die vielen Facetten unseres Wesens sichtbar zu machen. Im Spiel aus Vermummung und Verwandlung, Verhüllung und Veränderung. Bereits das antike Theater benutzte Verhüllungen. Bis heute sind verdeckte Gesichter in der Popkultur eine beliebte Methode, um eine geheimnisvolle Atmosphäre zu erzeugen. Allerdings sind die Möglichkeiten für Normalsterbliche ein wenig begrenzt. Doch private Themenpartys oder der in jedem Jahr stattfindende Karneval eröffnet eine Chance, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Der Karneval ist wegen der Corona-Pandemie bereits im vergangenen Jahr teilweise und dieses Jahr komplett ausgefallen. Stattdessen trägt jetzt täglich jeder eine Maske, nun leider aus schwerwiegendem Grund. Denn nicht erst seit heute wissen wir, dass ohne Masken zu tragen die Gefahr steigt, dass sich das schwer krankmachende Virus zu schnell verbreitet. Zum Glück ist die Möglichkeit, jetzt Masken kaufen zu können, im Vergleich zum Beginn der Epidemie im vergangenen Jahr weitaus günstiger.

Wie kommunizieren wir mit Maske?

Mit Masken sind wir darum bereits seit vielen Monaten in Supermärkten und viele auch draußen unterwegs. Was macht das mit uns? Wie identifizieren wir Menschen, wenn sie jetzt ständig Masken tragen müssen? Wie kommunizieren wir miteinander? Zwar geschieht ein großer Teil unserer Kommunikation ohne Worte, nämlich über Mimik, Gestik und Körpersprache. Doch der Mund, nun hinter der Maske versteckt, ist auch für die Kommunikation der ausdrucksvollste und der am meist beschäftigte Teil des menschlichen Körpers. Dies kommt auch daher, dass sich die Lippen in vier verschiedenen Arten bewegen können: offen – geschlossen, vorwärts und rückwärts, auf und ab oder angespannt und locker. Miteinander kombiniert ergibt sich eine Reihe von Ausdrucksmöglichkeiten. Wer deshalb in Zeiten der Pandemie seinen Freund, seine Freundin oder Verwandte und Bekannte nicht gleich erkennt, ist damit nicht allein.

Eine neue Studie von Forschern der Ben-Gurion University of the Negev (BGU) in Israel und der York University in Kanada zeigt die Auswirkungen dieses Dilemmas und seine möglichen Folgen. Denn Gesichter gehören zu den informativsten und bedeutendsten visuellen Reizen in der menschlichen Wahrnehmung und spielen eine einzigartige Rolle in den alltäglichen Alltagsinteraktionen, stellen die Wissenschaftler fest.

Neue Dimension der Gesichtserkennung

Um die Auswirkungen des Tragens von Masken zu untersuchen, verwendeten die Professoren Ganel und Freud zur Beurteilung der Gesichtswahrnehmung eine modifizierte Version des Cambridge Face Memory Test, der maskierte und unmaskierte Gesichter umfasste. Die Studie wurde online mit einer großen Gruppe von fast 500 Personen durchgeführt.

Die Forscher fanden heraus, dass die Erfolgsrate, jemanden zu identifizieren, der eine Maske trägt, um 15 % reduziert war. Masken behindern speziell das Erkennen des ganzheitlichen Eindrucks von Gesichtern. Stattdessen wird die Wahrnehmung auf einzelne Merkmale gelenkt. Ein Merkmal nach dem anderen wird verarbeitet, eine weniger genaue und zeitaufwändigere Strategie. Anstatt das gesamte Gesicht zu betrachten, sind wir nun gezwungen, Augen, Nase, Wangen und andere sichtbare Elemente separat zu betrachten, um eine ganzheitliche Gesichtswahrnehmung zu konstruieren – was ohne Maske sofort möglich ist.*

Doch wir alle haben sicherlich bemerkt, dass wir auch hier sehr lernfähig sind und Emotionen trotz Gesichtsmaske erkennen. Lachfalten rund um die Augen erzählen von der Freude, jemanden zu treffen und wer seine Augenbrauen hebt, deutet Überraschung oder Zweifel an.

Auch Flirten ist mit Maske möglich

Denn Flirten funktioniert zu großen Teilen nonverbal. Eine Frau wirft ihre Haare zurück und richtet den Blick auf den Mann ihr gegenüber. Die beiden verstehen sich, ohne ein Wort zu sagen: Ich finde Dich sympathisch. Das jetzt nicht sichtbare Lächeln wird durch das Zurückstreichen der Haare, einer zuneigenden Schulterbewegung und die Berührung des Kopfes oder Gesichts deutlich. Gesten, die auf der ganzen Welt zu verstehen sind – hier wird geflirtet.

*Originalpublikation:
The identification of people wearing masks has often presented a unique challenge during the pandemic. A new study by researchers from Ben-Gurion University of the Negev (BGU) in Israel and York University in Canada reveals the impact of this predicament and its potentially significant repercussions.

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