Wie lange soll eine Mutter ihr Kind stillen?

Auf dem Titelbild des gerade erschienenen „Time Magazine“ ist eine junge Mutter zu sehen, die ihr etwa vierjähriges Kind stillt. Heute ist Muttertag. Sind Frauen erst dann gute Mütter, wenn sie ihre Kinder lange stillen? Welche Auswirkungen hat das für Mutter oder Kind – nur positive ?

Was man über das Stillen weiß

Emotionale Vorteile für die Mutter:
Viele Frauen fühlen sich durch das Stillen sehr stark mit ihrem Kind verbunden. Wie schon während der Schwangerschaft, versorgen sie ihr Kind wiederum direkt mit Nährstoffen aus ihrem Körper. Der Ausstoß von Hormonen wie Prolaktin und Oxytoxin sorgt für eine friedliche, liebevolle und harmonische Gefühlslage bei Mutter und Kind.

Gesundheitliche Vorteile liegen in der Tatsache, dass die Mutter sich nach der Schwangerschaft körperlich schneller und einfacher erholt. Die Gebärmutter erreicht auch rascher wieder die normale Größe und Blutungen nach der Geburt sind seltener. Studien zeigen, dass Frauen, die gestillt haben, eine geringere Erkrankungsrate später im Leben für Brust- und Ovarienkrebs haben. Einige Untersuchungen haben auch einen Zusammenhang zwischen Stillen und einem geringeren Risiko für Diabetes Typ 2 herstellen können, auch Rheuma- und Herzerkrankungen sollen seltener bei Frauen auftreten, die gestillt haben. (2)

Mythen rund um das Stillen

Stillen schützt vor einer weiteren Schwangerschaft .
Fakt: Es stimmt zwar, dass manche Frauen während der Zeit rund um das Stillen keinen Eisprung haben, doch eine sichere Empfängnisverhütung ist das nicht. Solche Fragen sollten Frauen mit ihrem Frauenarzt unbedingt besprechen.

Wer kleine Brüste hat, kann nicht genügend Muttermilch produzieren.
Fakt: Die Größe der Brust hat für die Milchproduktion keine Bedeutung.

Stillen ruiniert die Brustform.
Fakt: Nach der Stillperiode haben bei fast allen Frauen die Brüste wieder die Form, die sie auch vor der Schwangerschaft hatten. Andere Faktoren wie Gewichtszunahme oder das Alter der Frauen sind wesentlicher für die Formveränderung, falls sie überhaupt auftritt.
Weitere Informationen dazu gibt es auch hier

Auswirkungen auf das Baby:
Die emotionalen Vorteile für das Baby sind wie oben schon genannt der enge körperliche Kontakt mit der Mutter. Schnell erhält das Kind seine Nahrung, dabei stellt das Saugen an der Mutterbrust einen Vorgang dar, der für die spätere Zufriedenheit und Motivation eines Menschen Bedeutung hat.

Gesundheitliche Vorteile: Studien haben gezeigt, dass ausschließliches Stillen während der ersten sechs Monate des Babys, das Risiko für vielerlei Infektionen senkt. Eine niederländische Studie konnte dies ebenfalls bestätigen. Babys, die ausschließlich bis vier Monate gestillt wurden, litten seltener an Infektionen der Atemwege und des Verdauungssystems. Zudem leiden diese Kinder später weniger häufig an Allergien. (1)
Die Vorteile für Babys sind vielfältig. LifeStyleSite berichtet darüber.-IMK-

Zur Dauer des Stillens hier eine Erklärung der La Leche Liga Deutschland:

Bei der Frage nach der „optimalen Stilldauer“ kommen biologische, kulturelle und nicht zuletzt individuelle Aspekte zum Tragen. Allein schon die Tatsache, dass so verschiedenartige Gesichtspunkte berücksichtigt werden müssen, macht deutlich, dass es keine allgemeingültige Antwort oder gar Empfehlung hinsichtlich der Stilldauer geben kann. In Deutschland ist im Mutterschutzgesetz festgelegt, dass eine erwerbstätige, stillende Mutter während ihrer Arbeitszeit Anspruch auf bezahlte Stillzeiten hat (1). Das Gesetz enthält keine Angabe dazu, bis zu welchem Alter des Kindes dieser Anspruch gilt. In einer Reihe von Durchführungsverordnungen und Gerichtsurteilen wurde eine Altersbegrenzung für den Anspruch auf bezahlte Stillzeiten ausgesprochen. Diese Begrenzung bezieht sich jedoch ausschließlich auf die arbeitsrechtliche Situation und nicht auf das Stillen als solches. Gesetzliche Regelungen außerhalb des Mutter-schutzgesetzes gibt es in Deutschland weder zum Stillen allgemein noch bezüglich der Stilldauer.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt auf der Grundlage von Studien zur kindlichen Entwicklung, in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen, das heißt, keine andere Nahrung oder Flüssigkeit außer Muttermilch (es sei denn dies wäre medizinisch indiziert), und anschließend neben geeigneter Beikost weiter zu stillen bis zum Alter von zwei Jahren und darüber hinaus (2). Die amerikanische Akademie der Kinderärzte (AAP) empfiehlt eine mindestens einjährige Stillzeit für alle Kinder und ergänzt, dass das Stillen darüber hinaus solange fortgesetzt werden soll, wie Mutter und Kind dies wollen. In der 2005 von der AAP veröffentlichten Verlautbarung „Breastfeeding and the Use of Human Milk“ wird auch darauf hingewiesen, dass es keine Obergrenze für die Stilldauer gibt (3). Anthropologische Forschungen ergaben Hinweise darauf, dass das natürliche Abstillalter beim Menschen zwischen 2,5 und 7 Jahren liegt (4). Als Stillorganisationen in Deutschland sehen wir es als unsere Aufgabe an, jede Familie dabei zu unterstützen, so lange zu stillen, wie es ihren individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten entspricht.

Oktober 2009
Denise Both für die La Leche Liga Deutschland (LLLD)
Utta Reich-Schottky für die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS)
1 Mutterschutzgesetz (nach der Änderung vom 20.12.1996) Bundesgesetzblatt I S. 2110
2 WHO: Infant and Young Child Feeding. Model Chapter for Textbooks for Medical Students and Allied Health
Professionals. Savage King F, Da Cunha A, Lang S, WHO 2009: 13-14
3 Gartner LM, Morton J, Lawrence RA, Naylor AJ, O’Hare D, Schanler RJ, Eidelman AI; American Academy of
Pediatrics Section on Breastfeeding. Breastfeeding and the use of human milk. Pediatrics. 2005 Feb; 115(2):496-
506.
4 K.A. Dettwyler: When to Wean: Biological Versus Cultural Perspectives. Clinical Obstetrics and Gynecology,2004, Band 47, Heft 3, S. 712-723
Quelle: http://www.lalecheliga.de/
weitere Links:
http://www.stillen.org/

http://www.bdl-stillen.de/

weitere Quellen:
http://www.womenshealth.gov: Why breastfeeding is important (1)
Breastfeeding and the Use of Human Milk // 2005 by the American Academy of Pediatrics (2)

Doch schließlich müssen die Mutter oder vielmehr die Eltern entscheiden, wie lange ihre Kinder gestillt werden sollen.

Was denken Sie über das Thema?

 

 

Foto: http://photorack.net

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