Zuckerhaltige Getränke können Krebsrisiko erhöhen

zuckerhaltige Getränke

Das geht aus einer Studie hervor, die in The BMJ today veröffentlicht wurde. Der Konsum von zuckerhaltigen Getränken hat in den letzten Jahrzehnten weltweit zugenommen. Es ist nicht die erste Studie, die überzeugend diesen Risikofaktor für viele Krebsarten herausstellt. Die Forschung zu zuckerhaltigen Getränken und Krebsrisiko ist jedoch immer noch begrenzt.

Ein in Frankreich ansässiges Forscherteam untersuchte nun den Zusammenhang zwischen Konsum von zuckerhaltigen Getränken (zuckerhaltige Getränke und 100% Fruchtsäfte), künstlich gesüßten Getränken (Diätgetränken) und Gesamtkrebsrisiko sowie dem Risiko für Brust- und Prostatakrebs und Darmkrebs.

Ihre Ergebnisse basieren auf 101.257 gesunden französischen Erwachsenen (21% Männer; 79% Frauen) mit einem Durchschnittsalter von 42 Jahren zum Zeitpunkt der Datenerhebung aus der NutriNet-Santé-Kohortenstudie.

Die Teilnehmer füllten zwei 24-Stunden-Fragebögen aus, mit denen die übliche Einnahme von 3.300 verschiedenen Nahrungsmitteln und Getränken gemessen wurde. Die Probanden wurden über einen Zeitraum von maximal 9 Jahren (2009-2018) weiterhin betreut.

Der tägliche Verzehr von zuckerhaltigen Getränken (zuckerhaltige Getränke und 100% Fruchtsäfte) und künstlich gesüßten Getränken (Diätgetränken) wurde berechnet, und die ersten von den Teilnehmern gemeldeten Krebsfälle anhand von Krankenakten erhoben und mit den nationalen Krankenversicherungsdatenbanken verknüpft. Verschiedene bekannte Risikofaktoren für Krebs, wie Alter, Geschlecht, Bildungsstand, familiäre Krebserkrankung, Raucherstatus und körperliche Aktivität, wurden berücksichtigt.

Der durchschnittliche tägliche Konsum von zuckerhaltigen Getränken war bei Männern höher als bei Frauen (90,3 ml gegenüber 74,6 ml). In der Nachuntersuchung wurden 2.193 erste Krebsfälle diagnostiziert und validiert (693 Brustkrebsfälle, 291 Prostatakrebsfälle und 166 Darmkrebsfälle). Das Durchschnittsalter bei der Krebsdiagnose betrug 59 Jahre. Die Ergebnisse zeigen, dass ein Anstieg des Konsums von zuckerhaltigen Getränken um 100 ml pro Tag mit einem um 18% erhöhten Gesamtkrebsrisiko und einem um 22% erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden war.

Wenn die Gruppe der zuckerhaltigen Getränke in Fruchtsäfte und andere zuckerhaltige Getränke aufgeteilt wurde, war der Konsum beider Getränketypen mit einem höheren Gesamtkrebsrisiko verbunden. Es wurde kein Zusammenhang für Prostata- und Darmkrebs gefunden, aber die Anzahl der Fälle war für diese Krebsorte geringer.

Im Gegensatz dazu war der Konsum künstlich gesüßter (Diät-) Getränke nicht mit einem Krebsrisiko verbunden, die Autoren warnen jedoch zur vorsichtigen Interpretation, aufgrund eines relativ geringen Konsums in dieser Stichprobe.

Zuckerhaltige Getränke wirken auf das viszerale Fett

Mögliche Erklärungen für diese Ergebnisse ist die Wirkung des in zuckerhaltigen Getränken enthaltenen Zuckers auf das viszerale Fett, das in der Nähe lebenswichtiger Organe wie Leber und Bauchspeicheldrüse gespeichert wird. Zudem auf den Blutzuckerspiegel und Entzündungsmarker, die alle mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen. Andere chemische Verbindungen, wie Zusätze in einigen Limonaden, könnten ebenfalls eine Rolle spielen.

Diese Beobachtungsstudie kann also keine Ursache feststellen, so die Autoren. Die Stichprobe war jedoch sehr groß (signifikant) und die Vielzahl potenziell einflussreicher Faktoren einstellbar.

Darüber hinaus blieben die Ergebnisse nach weiteren Tests weitgehend unverändert, was darauf hindeutet, dass die Ergebnisse einer eingehenden Prüfung standhalten. Sie müssen jedoch in anderen groß angelegten Studien überprüft werden, so die Autoren.

„Diese Daten belegen die Relevanz bestehender Ernährungsempfehlungen für die Begrenzung des Konsums von zuckerhaltigen Getränken, einschließlich 100% Fruchtsaft, sowie politische Maßnahmen wie Steuern und Vermarktungsbeschränkungen für zuckerhaltige Getränke, die möglicherweise zur Verringerung von Krebserkrankungen beitragen könnten.“ so die Autoren. -IMK-

Research: Sugary drink consumption and risk of cancer: results from NutriNet-Santé prospective cohort

Journal: The BMJ

Fruchtsaft soll ungesund sein? Das fragen sich vielleicht jetzt einige Verbraucher*innen. Der Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie (VdF) hat zu unserem Artikel Stellung genommen. Wir zitieren daraus:

„In der Studie war der Fruchtsaftkonsum statistisch mit dem Gesamtrisiko für Krebs assoziiert, jedoch nicht mit den einzelnen Krebsarten, die über die Hälfte der diagnostizierten Fälle ausmachten. Dies deutet darauf hin, dass der Befund zufällig ist und nicht auf eine klinische Assoziation hinweist.

Ein weiterer Kritikpunkt gründet darin, dass die Studienergebnisse auf der Auswertung von Fragebögen basieren, die von den Probanden selbst ausgefüllt wurden. Für diese Art der Erfassung aus sog. FFQ-Daten (Self-Reported Food Frequency Questionnaire) gelten eine Reihe von Einschränkungen:

Zum einen besteht ein hohes Risiko für eine Fehklassifizierung von Fruchtsaft. Die Studie berichtete, dass Fruchtsäfte 45% der konsumierten Softgetränke ausmachten, während zuckergesüßte Erfrischungsgetränke (Sugar Sweetened Beverages = SSB) 36% und künstlich gesüßte Getränke 19% ausmachten. Dies scheint im Widerspruch zu den europäischen Daten[3] zu stehen, die zeigen, dass mehr SSB konsumiert werden als Fruchtsaft.

Zum anderen bergen selbst ausgefüllte FFQs die Gefahr lückenhafter oder sogar falscher Angaben, da die Teilnehmer sich bewusst sind, dass ihre Ernährungsgewohnheiten von Ernährungsprofis beobachtet werden, so dass sie durch bestimmte Angaben „gesünder“ erscheinen möchten. Dies könnte zu einer ungenauen Angabe des tatsächlichen Fruchtsaftkonsums führen, da den Verbrauchern bewusst ist, dass Fruchtsaft eine gesündere Alternative zu zuckergesüßten Erfrischungsgetränken darstellt.
Die Studienautoren weisen darauf hin, dass Fruchtsaft das Krebsrisiko durch verschiedene Faktoren erhöhen könnte. All diese wurde jedoch durch Interventionsversuche widerlegt.

Zu den Faktoren gehörten Fettleibigkeit (In einem Bericht[4] des wissenschaftlichen Beratungsausschuss für Ernährung (SACN) wurde Fruchtsaft nicht mit Fettleibigkeit in Verbindung gebracht), erhöhte Entzündungen (Mehrere Interventionsstudien[5]konnten sogar geringere Entzündungswerte nachdem täglichem Konsum von Fruchtsaft nachweisen), ein hoher glykämischer Index (Fruchtsaft weist nach internationaler Klassifizierung einen niedrigen glykämischen Index auf[6]) und ein erhöhtes Risiko für Insulinresistenz oder schädliche Blutzuckerwerte (In Metaanalysen wurde kein Einfluss auf diese Marker festgestellt[7]).

In Anbetracht dieser umfangreichen, veröffentlichten Belege sind die Wirkungsweisen, die Fruchtsaft unterstellt werden, nicht begründbar/gerechtfertigt.


[3] https://www.unesda.eu/wp-content/uploads/2018/08/EU-UNESDA-2018.xlsx

[4] https://www.gov.uk/government/publications/sacn-carbohydrates-and-health-report

[5]Cesar TB et al. (2010) Nutr Res 30: 689–94. Cerletti C et al. (2015) Thromb Res 135(2): 255–9. Rocha DMUP et al. (2017) Food Funct 8: 4396-4403. Buscemi S et al. (2012) Am J Clin Nutr 95(5): 1089–95. Ribeiro C et al. (2017) Nutrition 38: 13-9. Ghanim et al. (2010) Am J Clin Nutr 91: 940–9.

[6]https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2584181/

[7]Murphy MM et al. (2017) J Nutr Sci 6: e59. Wang B et al. (2014) PLoS ONE 9: e95323.


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