Zwei Filme zum Welt-Alzheimertag am 21. September 2021

Welt-Alzheimertages 2021

Ob dement oder anderswie pflegebedürftig, das hohe Alter, das viele heutzutage erreichen, ist mit Verlusten und Einschränkungen verbunden. Das wirft nicht nur jetzt während der immer noch herrschenden Pandemie die Frage auf: Wie können wir unseren älteren und pflegebedürftigen Mitmenschen überhaupt ein Leben in Würde und Freude ermöglichen? Besonders am Welt-Alzheimertag 2021 möchten wir mit zwei filmischen Beispielen darauf hinweisen.

Während Anthony Hopkins im Oscar-prämierten Kinofilm THE FATHER die Demenz nur spielt und für diese Leistung im April mit dem Oscar als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde, ist die Krankheit für mehr als 1,6 Millionen Betroffene und deren Angehörige allein in Deutschland bereits bittere Realität.

„Demenz – genau hinsehen!“ lautet deshalb auch das Motto des diesjährigen Welt-Alzheimertages am 21. September 2021. Es geht darum, den Erkrankten sowie ihren Familien Akzeptanz und Zugehörigkeit zu vermitteln sowie die Anzeichen dieser Volkskrankheit rechtzeitig zu erkennen. Im Rahmen der „Woche der Demenz“ vom 20. bis 26. September gibt es neben zahlreichen Informationsveranstaltungen auch viele Sondervorführungen des Films THE FATHER in ganz Deutschland. Alle Termine, organisiert von örtlichen Kinos und gemeinnützigen Organisationen, ebenso wie ausführliches Presse- und Informationsmaterial zur diesjährigen „Woche der Demenz“ stellt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hier zur Verfügung:

https://www.deutsche-alzheimer.de/ueber-uns/welt-alzheimertag

Regisseur und Drehbuchautor Florian Zeller hatte sich bereits im Vorfeld der Dreharbeiten zu THE FATHER, das auf seinem gleichnamigen erfolgreichen Theaterstück basiert, intensiv mit dem Thema Demenz auseinandergesetzt und sich für eine sehr ungewöhnliche Art der Inszenierung entschieden:

„In THE FATHER geht es zwar um Demenz, aber ich wollte die Zuschauer:innen in eine aktive Rolle bringen, nicht nur eine Geschichte erzählen […] Sie sollten in diese besondere Situation hineinversetzt werden und selbst eine Ahnung davon bekommen, wie es ist dement zu sein. Ich würde sagen, die Erzählung ist angelegt wie ein Labyrinth, und der Zuschauer steckt mittendrin und muss versuchen, einen Weg nach draußen zu finden.“

Gemeinsam mit den Hauptdarstellern, Oscarpreisträger Anthony Hopkins (DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER, NIXON, DIE ZWEI PÄPSTE) und Oscarpreisträgerin Olivia Colman (THE FAVOURITE, THE CROWN), spricht Florian Zeller über die Besonderheit seiner Inszenierung:

Darüber hinaus forscht u.a. Professor Wolfgang Hoffmann am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) schon seit langem zur Versorgung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen. Er findet THE FATHER in diesem Zusammenhang sehr wichtig, „weil er das Bewusstsein einer größeren Öffentlichkeit für das ganz praktische Leben mit Demenz stärkt und das Sorgen für einen Menschen mit Demenz anspricht. Angehörige fühlen sich verstanden, wenn Menschen mit Demenz und ihre Krankheit in der Gesellschaft wahrgenommen werden.“

Weitere Informationen zum Stand der Forschung sowie ein ausführliches Interview mit Demenzforscher Prof. Hoffmann finden Interessierte unter

THE FATHER läuft aktuell bundesweit in diesen Kinos: https://www.thefathertickets.de

Mitgefühl

Birthe, Grethe und Pflegekraft Lotte erfreuen sich an den Berührungen und der Zuneigung im Wald
© Per Fredrik Skiöld

In einem kleinen Pflegeheim in Nordseeland, Dänemark, führt eine Gruppe von Senioren ein Leben, das anders ist als das, was wir normalerweise in den Medien sehen. Dagmarsminde ist ein privates Pflegeheim, das von May Bjerre Eiby gegründet und konzipiert wurde.

Louise Detlefsens Dokumentarfilm MITGEFÜHL schildert mit Humor und Zärtlichkeit den Alltag der Bewohner dieses einzigartigen Pflegeheims. In dem Film treffen wir unter anderem Torkild, Inge, Grethe und Inger sowie das Personal des Heimes. Die Krankenschwester May Bjerre Eiby gründete die Einrichtung auf der Grundlage einer innovativen Pflegemethode: Die Bewohner werden von ihren Medikamenten entwöhnt, stattdessen besteht die Behandlung aus Umarmungen, Augenkontakt, Berührungen, Gesellschaft und ab und zu einem kleinen Glas Portwein.

Birthe und Inge stoßen an in Dagmarsminde
© Per Fredrik Skiöld

Jeden Tag genießen

Denn wenn die Erinnerung bröckelt, besteht das Glück darin, im Augenblick zu leben. Die Zahl der über 80-Jährigen wird in den nächsten Jahrzehnten wachsen. Ein großer Teil von ihnen wird auch von Demenz betroffen sein und daher in einem Pflegeheim leben müssen, das dem besonderen Risiko einer schweren Demenz Rechnung trägt. Das bedeutet viel mehr entsprechende Einrichtungen und viel mehr Pflegepersonal. Wie können wir als Gesellschaft darauf reagieren und ein würdiges Altern sicherstellen?

In ihrem einfühlsamen Dokumentarfilm stellt Regisseurin Louise Detlefsen am Beispiel eines einzigartigen Pflegeheims und dessen Bewohnern ein revolutionäres, Mut machendes Langzeitpflegekonzept vor, das sich mit den brandaktuellen Fragen befasst, wie wir leben, altern und sterben wollen und was wir uns für unsere Angehörigen wünschen. MITGEFÜHL gewährt einen warmherzigen wie inspirierenden Blick in den Alltag von Menschen mit Demenz und in eine Welt, in der die Kraft menschlicher Nähe kleine Wunder zu bewirken vermag. Ein Plädoyer für ein würdevolles und glückliches Lebensende.

MITGEFÜHL
Regie: Louise Detlefsen
Mit: May Bjerre Eiby, Lotte Nørreslet und Inge & Jørgen,
Vibeke & Thorkild, Grethe, Birthe u.v.m.
Produktion: Dänemark, Deutschland 2021
Lauflänge: 96 Minuten
Kinostart: 23. September 2021

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